Aus einer Sammlung von:
- Aktuelle, sowie vergessene musikalische Perlen aus der Welt des Rock und Heavy Metal
- Lohnenswerte Filme
- Gedanken aus aktuellem Anlass

Dienstag, 28. Oktober 2014

Übersehen und vergessen? Hoffentlich nicht...


SARAYA

When The Blackbird Sings... 

(Rock, Hardrock, AOR)


Es gibt Dinge, die kann ich mir schlichtweg nicht erklären. Zum Beispiel ist es mir schleierhaft, wie mir als Verehrer des 80er Hardrock / Metal eine Band wie Saraya über all die Jahre durch die Lappen gehen konnte. Zugegeben, bekannt war die Band nie wirklich, auch wenn sie mit ihrem gleichnamigen Debut, vor allem aufgrund des auffallend klaren und starken Gesangs von Sängerin Sandi Saraya, für Aufsehen in einer hauptsächlich von Männerstimmen dominierten Szene des harten Rocks sorgte. Doch der komplett überflutete Glam / Hair Metal Markt liess Saraya keine Möglichkeit zur Entfaltung und durch mangelnde Promotion (und vielleicht auch aufgrund einer gewissen Übersättigung des auslaufenden Trends) gingen ihre beiden Alben komplett vergessen. Eigentlich schade, wäre nämlich zu dieser Zeit etwas härtere Rockmusik mit Frauenstimme des Kalibers Lee Aaron durchaus eine wohltuende Bereicherung gewesen.

Und es ist nicht zu hoch gegriffen, wenn man behauptet, dass Sandi Saraya gesanglich problemlos mit der kanadischen Metalqueen mithalten kann. Unglaublich, ja, umwerfend, wie das Mädel den rockigen Songs mit ihrer starken Stimme Dynamik verleiht - und zwar in den ruhigen wie rassigen Songs gleichermassen!

Aber Sandi ist nicht der alleinige Referenzpunkt, auch wenn das Keyboardlastige und eher AOR (Airplay Oriented Rock) angehauchte Debut hauptsächlich ihre Stimme in den Mittelpunkt rückt. Noch vor der Veröffentlichung von "When the Blackbird sings..." hat Mitgründer und Keyboarder Gregg Munier die Band verlassen, da er mit dem Gitarrenlastigeren Sound nicht einverstanden war. So trägt das Album klar die Handschrift von Hauptsongwriter und Gitarrist Tony Bruno und das macht die Scheibe etwas kantiger, rauer, bluesiger und vor allem eins: eindeutig rockiger. Riffs und Solos par excellence und dies mit einer Spielfreude und Lockerheit gespielt, als gäbe es kein Morgen mehr - wirklich ganz, ganz grosses Kino, was dieser relativ unbekannte Saitenakrobat von seinem Instrument schmettert.

Saraya zelebrieren auf ihrem zweiten Album schnörkellosen und in jeder Hinsicht referenzwürdigen Hardrock, der mit dem an Tesla erinnernden Anfangsstück "Queen of Sheba" scheinbar harmlos beginnt, sich dann zunehmend von Song zu Song abwechselnd von groovig, gedämpft, bluesig bis rassig austobt und jedem Fan von Bands wie Tesla, Dokken oder Lee Aaron Freudentränen in die Augen zaubern dürfte. Das Antesten von Songs wie "Hitchin' a Ride", "When you see me again" oder "Tear down the wall" wird selbstredend sein.


"When the Blackbird sings..." ist in der Tat eine vergessene Perle, ein Vermächtnis einer Musikära, die leider vom gewinnhungrigen Business zu Tode gespielt wurde. Aber genau ein Ausnahmealbum wie dieses unterstreichen eindrücklich, wieviel Potential in den 80ern auch neben den Charts vorhanden war. Das glasklar produzierte Album, welchem man in keinem Augenblick das Alter von 23 Jahren anmerkt, ist zwar leider vergriffen, sollte aber kein Hinderungsgrund sein, es sich über eine Plattform wie eBay zu besorgen. Gehört zweifellos in jede gut sortierte Rock / Hardrock-Sammlung.

10 Punkte mögen für einige den einen oder anderen sentimentalen oder nostalgischen Punkt beinhalten, aber genau diese Punkte ist diese Scheibe wert - keinen weniger.

Punkte: 10 / 10

Credits: Polydor / PolyGram Records, Inc. 1991

Mittwoch, 22. Oktober 2014

Mut zum anders sein


Anders sein ist heute total im Trend. Die Hipster und ihr vielzitierter Slogan "...before it was cool" haben da etwas ins Rollen gebracht, was geradezu zum Gegensatz geworden ist: Exklusiv sein ist plötzlich populär, ja, sogar kommerziell. Ironie des Schicksals? Vielleicht. Aber tatsächlich anders sein hat grundsätzlich nichts mit cool, hip oder trendy zu tun - im Gegenteil. Wer anders ist, hatte (oder hat immer noch) häufig die grössten Kämpfe mit sich selber, da man einfach anders tickt als die grosse Mehrheit.

Es ist einfach, mit dem grossen Strom mit zu schwimmen, wie ein Papagei alles zu repetieren was einem vorgetragen wird, alles für bare Münze nehmen und nichts zu hinterfragen und jeden Trend mitzumachen - egal ob Kleidung, Frisur oder Musikstil. Aber es ist etwas komplett anderes, wenn man schon früh seinem Herzen folgt und dem nacheifert, was einem wirklich glücklich und schliesslich auch zu dem macht, was eigene Persönlichkeit heisst. Manche mögen einwenden, dass es lediglich darum geht aufzufallen. Aber schon mal an den Preis gedacht, den man dafür bezahlt: ausgelacht zu werden, ausgegrenzt zu sein und als Fremdkörper behandelt zu werden? Nein, wirklich anders sein hat nichts mit einem Trend zu tun. Wer nimmt schon freiwillig Komplikationen in Kauf, nur weil man nicht auf demselben Dampfer mitschwimmt?


Anders sein, heisst sich bewusst zu werden, dass man auf die Meinung der grossen Menge herzhaft verzichten kann. Man ist ihnen nichts schuldig. Sie können über mich urteilen, aber nicht richten - Gott allein steht dies zu. Niemandem bin ich wirklich Rechenschaft schuldig, weshalb ich meine Haare so trage, wieso ich auch ohne Krawatten auskomme oder warum ich gerade diesen Musikstil bevorzuge. Es ist ein Arbeiten am eigenen Selbstbewusstsein und Selbstbild. Schliesslich ist jeder Mensch ein Individuum und kein Plagiat irgendeiner vom Zeitgeist hochgeschaukelten Idealvorlage.

Anders sein heisst auch, die grosse Nase, die spezielle Zahnstellung, die krummen Beine, die grosszügigen Pfunde, den speziellen Humor oder alle anderen angeblichen Fehler als das zu nehmen, was sie sind: ein Teil meiner Persönlichkeit und nicht der Mangel am laufenden Trend oder Ideal.

Als selbst Betroffener, der für eine Zeitlang versucht hat, mit dem Zug der Mehrheit mitzufahren, kann ich nur Mut machen, dem Anderssein Raum zu geben und eine Anpassung auf Kosten des eigenen Herzens zu unterlassen. Es gibt nämlich nichts schlimmeres, als sich selbst verleugnen zu müssen. Wer dies tut, um irgendwem zu gefallen oder irgendwer zu beeindrucken, wird irgendwann mal die Maske fallen lassen müssen - und damit hat man nicht nur so ziemlich alle Glaubwürdigkeit verspielt, sondern Menschen verletzt und betrogen; mit dem Anderssein hätte man von Anfang an gewusst, woran man ist.

Samstag, 18. Oktober 2014

Sizilien rockt!

METATRONE

Paradigma

(Metal, Melodic Metal, Symphonic Metal, AOR)


Wer am Elements of Rock '08 dabei war, konnte ohnehin Metatrone aus Italien nicht übersehen bzw. –hören. Metatrone ist eine derjenigen Bands, die man entweder mag und ins Herz schliesst oder sie dümpeln als Langweilercombo an einem vorbei. Das Spezielle an Metatrone ist die Tatsache, dass sie grundsätzlich Metal in ihrer Muttersprache spielen, was rein Marketingtechnisch ein absoluter Humbug ist. Der Erstling "La Mano Potente" wurde denn auch als englische Version "The powerful Hand" veröffentlicht, um die Musik etwas zugänglicher zu machen. Wenn man die beiden Versionen vergleicht, wird man zugeben müssen, dass die italienische Version besser passt und dies nicht unbedingt wegen dem unüberhörbaren Akzent in der englischen Version.

Metatrone spielen Metal mit italienischem Touch, das hört man vor allem in ihren Melodien und einem gewissen Hauch an typisch italienischer Melancholie. Und – mit allem Respekt – in Englisch klingt das wie wenn man ein typisch englischer Song "verschweizerdeutscht" (ein Phänomen, welches man z.B. häufig bei Gospel- und Worshipsongs antrifft) Wenn man einen Vergleich mit einer anderen Band machen wollte, dann kämen in etwa HB in Frage, die jeweils auch zwischen finnisch und englisch jonglieren. Was hier besser passt, soll jeder für sich beantworten.

Aber kommen wir zu „Paradigma“ dem zweiten Album von den Herren aus Sizilien, welches just am 25. Dezember 2010 erschienen ist und vorerst nur über ihre Website zu beziehen ist. Um es in einem Wort auszudrücken: Volltreffer!
Liegt es daran, dass "Paradigma" von Anfang an mitreisst, oder daran, dass mir als gebürtiger Italiener deren Musik und Texte wie Öl herabfliessen, oder daran, dass Metatrone gegenüber ihrem Erstling eine gewaltige Steigerung vorweisen? Ehrlich gesagt weiss ich es nicht genau, aber es muss eine Mischung aus allem sein.


Geboten wird eingängiger, melodischer und symphonischer Metal mit leicht progressiven Anleihen, die vor allem im Instrumental "Passione" zum Tragen kommen, sich aber auch in "Padre" oder "Rinascere" (welches auch in einer englischen Version auf dem Album ist) bemerkbar machen. Was "Paradigma" aber zweifellos ausmacht, ist die Abwechslung. Von melodischen Powermetal-Reissern wie der Opener "Credo" oder "Cuore di Donna", über das balladeske "Santi e Beati", dem gotisch angehauchten "Sanctus 3", der Uptemponummer "In Spe Resurrectionis" bis hin zum Hitverdächtigen "Uomo" (wovon sogar eine Version in Spanisch vorhanden ist) deckt das Album eine breite Palette im Melodic Metal Bereich ab. Mit "Stay" bietet "Paradigma" sogar ein komplett nur in Englisch gehaltenes Stück und es klingt, im Gegensatz zu den "verenglischten" Versionen, absolut grossartig. Hut ab!

Textlich bewegen sich Metrone wie gewohnt im christlich-katholischen Bereich und diesbezüglich könnte man sie ohne weiteres als katholische Version von Stryper oder Sacred Warrior bezeichnen.

Summa summarum kann man sagen, dass mit "Paradigma" Metatrone ein Primaalbum gelungen ist, das man vorbehaltlos jedem empfehlen kann, der auf gepflegten Melodic / Symphonic Metal steht. Wer sich zudem nicht daran stört, einer dem Musikgenre vielleicht ungewohnten Sprache zuzuhören, der sollte "Paradigma" unbedingt eine Chance geben!

Punkte: 8 / 10

 Credits: TRP / Metatrone 2010

Mittwoch, 15. Oktober 2014

Was lange währt...

WARLORD 

The Holy Empire 

(Metal, Heavy / Power Metal, Epic Metal)


Wenn ich mir heute "The Holy Empire" anhöre, ist es mir immer noch ein Rätsel, wie ich all die Jahre diese Band einfach ignorieren konnte. In den 80ern gerade mal zwei Alben veröffentlicht, welche aber schon damals als exklusiv galten und lediglich Undergroundfreaks anzuziehen schienen, konnte sich Warlord nie einen Namen unter den ganz grossen Acts des Schwermetalls machen. Lediglich eine kleine, aber über Jahre treue Fanschar erhielt das Feuer einer Band am Leben, die mit ihrem Stil als Begründer des Epic Metal gelten, welchem man heute ansatzweise vor allem in verschiedenen Variationen des Power Metal begegnet - nicht selten mit überzeichnetem Kitsch.

Als sich Warlord 2002 mit "Rising out of the Ashes" zurückmeldeten, stellte man beeindruckt fest, welche Spuren diese Band in all den Jahren hinterlassen hat. Joacim Cans von Hammerfall wurde als Sänger für das Album verpflichtet, der sich als grosser Warlord Fan bekennt. So erstaunt es zum Beispiel wenig, dass der Name Hammerfall auf den Song "Lucifer's Hammer" zurückzuführen ist. Eine typische Kultband also, welche zwar nur wenig Material veröffentlicht, aber wenn, dann qualitativ Hochstehendes. So ist es auch mit "The Holy Empire".

30 Jahre nach der Debut-EP und 11 Jahre nach dem letzten Album melden sich Warlord um die Herren William J. Tsamis und Mark S. Zonder zurück - und zwar eindrücklich. Musikalisch auf ganzer Linie treu geblieben, wird während 55 Minuten das zelebriert, was Warlord selbst als Dark Epic Metal bezeichnen. Es ist in der Tat nicht einfach, diesen eigenwilligen und originellen Sound zu umschreiben. Nebst klassischen Riffs aus der traditionellen Schmiede des Heavy Metal, verflechtet Komponist William J. Tsamis mystisch (oder eben episch) anmutende Klänge, die ohne Weiteres an den Celtic Folk einer Loreena McKennitt oder Kulissenmusik aus einem Filmepos erinnern können. Aber im Gegensatz zu vielen seiner modernen Klone, bedient Tsamis die Gitarre immer dominant und überlässt die Keyboardklänge dem Hintergrund, welche lediglich die Aufgabe haben, eine Stimmung zu untermauern.

Bereits der Opener "70'000 Sorrows" unterstreicht dies vorbildlich. Und bereits hier wird klar sein, ob man den restlichen Songs weiterhin sein Gehör schenkt. Wer hier nicht von den tragisch-dramatischen Klängen angesteckt wird, der wird es auch bei den restlichen Songs nicht sein. Aber das ist genau das, was eine Kultband eben ausmacht. Entweder man verfällt dem Sound irgendwann einmal oder man wird es nie verstehen. Jedenfalls zieht sich der Rote Faden durch das gesamte Album, welches im abschliessenden Titeltrack meines Erachtens den unbestreitbaren Höhepunkt erreicht - schlicht ein kompositorisches Meisterstück, welches zudem technisch brillant umgesetzt wurde.


Auch was das Textkonzept betrifft, geht Warlord eigene Wege. Während nämlich viele Bands mit christlichem Hintergrund es sich schon fast zur Aufgabe gemacht haben, möglichst plakativ und unverhohlen zu evangelisieren, findet man in den Texten aus der Feder von Tsamis zwar christliche Spuren, aber keine Zeigefingerpropaganda. Als literarischer Vergleich sei hier in etwa Tolkien genannt, dessen christliche Überzeugung zwar in seine Geschichten hineinfloss, er aber niemals predigte. Zudem ist Tsamis genau deswegen in der Szene ein höchst geachteter Mann, weil er seinen Glauben nicht als Vorwand gebraucht, sondern zuallererst als Musiker agiert - und darin ist er ein unbestreitbares Genie.

Ja, man kann von Warlord halten, was man will, aber man kommt nicht drum herum zu bekennen, dass "The Holy Empire" ein eigenwilliges Glanzstück ist. "The Holy Empire" erfüllt schlussendlich genau das, was man von einem Kultwerk erwartet, da es alle Komponente enthält, die man von Warlord erwartet.
Höchste Punktzahl für den alten, sowie den neuen Warrior.

Punkte: 10 / 10

 Credits: Sons Of A Dream Music / Battle Hymns Music (BMI) 2013


Mittwoch, 8. Oktober 2014

Die Top 10 der wichtigen Alben


Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten (oder eben auch nicht...) und im Bereich Musik macht man stilistisch im Lauf der Jahre unter Umständen so einige Trends mit und der Geschmack kann sich ändern, anpassen oder schlicht weiterentwickeln. Wie auch immer, hier präsentiere ich 10 meiner wichtigsten Alben - ganz unabhängig davon, wie ich heute dazu stehe oder ob ich sie noch höre - welche meinen Musikgeschmack bis heute prägen.


The Beatles - 1962-1966


Meine allererste Vinylplatte und zugleich die erste Band, von der man sagen kann, dass ich ein Fan war. Vor allem ihre eher rockigen Sachen haben es mir angetan. Höre ich heute noch immer wieder gerne.



AC/DC - Back in Black


Die Stromjungs waren mein Einstieg in die harte Rockmusik. "Back in Black" gehört zu meinen meist gehörten Alben. Selbst heute fasziniert mich ihr simpler, bluesiger Hardrock immer wieder neu.





Eigentlich könnten hier genauso gut drei oder vier weitere Scheiben von Maiden stehen, aber "The Number of the Beast" war mein persönlich erstes Album der Irons und zugleich das erste Heavy Metal Album überhaupt in meiner Sammlung.



Helloween - 5 Track EP


Nur fünf Stücke, aber was für welche! Noch bevor man von Power Metal überhaupt redete, hatte ich diese kleine Perle bereits in mein Herz geschlossen. Die Folgealben "Walls of Jericho" und "Keeper of the Seven Keys I & II" schrieben dann bekanntlich Geschichte.



Def Leppard - Hysteria


Dieses Album war bei seiner Erscheinung produktionstechnisch eine Wucht. Konnte mich am klaren Sound, den grossartigen Melodien und Klangfarben kaum satthören. Lief sehr oft als Feierabendmusik oder zum Einschlafen.



Candlemass - Nightfall


Als ich diese Musik das erste Mal hörte, befand ich mich plötzlich wie in Trance. Unglaubliche Klänge, Melodien und Stimmungen, von denen ich mich kaum mehr trennen konnte. Für mich ist dieses Album der Inbegriff von Epic Doom Metal.



Alice Cooper - Raise your Fist and yell


Das Comeback von Alice in den 80ern hatte auch mich erreicht. "Raise your Fist and Yell" wurde zum Dauerbrenner und veranlasste mich sogar dazu, als Alice Cooper Geschminkter Playbackshows abzuhalten. Zudem war Alice Cooper mein erstes grosse Rockkonzert.





Seinerzeit als Importalbum erworben, beglückte "Metalized" für Wochen und Monate meinen Plattenteller. Der sich darauf befindliche Heavy Metal in Reinkultur hat bis heute absolut nichts an Faszination eingebüsst und verwöhnt auch heute nach wie vor meine Ohren.



Stryper - To Hell with the Devil


Diese Scheibe war noch das einzige Hardrock / Heavy Metal Album, welches ich während einer Zeit hörte, wo ich die harten Töne bis ans Limit ausgekostet und diese satt hatte.



Iona - Open Sky


Nach anfänglichem Zögern habe ich mir doch noch die Mühe genommen und mich in die mystischen Klangwelten des einzigartigen Celtic Rock von Iona getraut. "Open Sky" ist ein musikalisches Juwel, welches Stimmungen in mir auslöste, wie kaum ein anderes Album. Einzig Ionas Liveshows konnten dies noch toppen.




Ehrenplätze

Natürlich ist eine Top 10 Liste immer unvollständig. Deshalb seien hier noch ein paar Alben erwähnt, die sich zumindest einen Ehrenplatz auf meiner musikalischen Entdeckunsreise verdient haben:


Inxs - Kick


Während einer Zeit, in der ich mich musikalisch vom Rock und Metal wegorientierte, hatte ich die Begegnung mit dieser originellen Band. Ihr Mix aus Rock, Funk und Soul, der bis hin in die Regionen des Hardrock reicht, wurde zum ständigen Begleiter im Auto - inklusive Mitsingfaktor.



Coroner - R.I.P.


Zum ersten Mal in einer Rock/Metal Radiosendung gehört und ich wusste, dass diese Scheibe in meine Sammlung gehört. Die damals noch frischen Newcomer (und heutige Kultband) begeisterten mich mit ihrem technischen Thrash Metal mit unüberhörbaren klassischen Einflüssen.





Keine Scheibe des melodischen Thrash Metal oder der Big 4 (Metallica, Megadeth, Slayer, Anthrax) konnte dieser hier das Wasser reichen. Ja, mein Geschmack mag etwas sonderbar sein, aber über all die Jahre gesehen fand dieses Album in dieser Kategorie am meisten Abspielung.



Aerosmith - Permanent Vacation


Hach, dieser einzigartige bluesige Hardrock, der niemanden ruhig sitzen lässt. Wie kaum eine andere Scheibe konnte mir der Sound von Aerosmith die gute Laune aus dem tiefsten Keller heraufholen und Stücke wie "Rag Doll" oder "Dude looks like a Lady" entpuppten sich zu kaum mehr loswerdenden Ohrwürmern.



Máire (Moya) Brennan - Perfect Time


Nie werde ich den Moment vergessen, als ich diese engelhafte Stimme zum ersten Mal gehört habe. Ihre Musik hat mich von Anfang an verzaubert, hatte mitunter sogar therapeutische Wirkungen und hat mich zudem für Folk, mystisch-atmosphärische und symphonische Musik (z.B. Film Soundscores) und Klassik sensibiliert.




Montag, 6. Oktober 2014

Wieder auf goldenem Pfad

GOLDEN RESURRECTION

One Voice For The Kingdom

(Metal, Melodic Metal, Neoclassical Metal)


Sozusagen pünktlich wie eine Schweizeruhr melden sich die Schweden um Ex-Narnia Frontmann Christian Liljegren und ReinXeed Flinkefinger Tommy Johansson im Jahrestakt mit einem neuen Album zurück. Intern hat es bei Golden Resurrection unterdessen zwei Wechsel gegeben: Drummer Rickard Gustafsson (Pantokrator) hat die Drumsticks Alfred Fridhagen übergeben, während Svenne Jansson neu die Tasteninstrumente anstelle von Kenneth Lillqvist bedient.

Musikalisch mag sich dies nicht nach grosser Änderung anhören, doch vor allem die Keyboards sind um Welten professioneller eingesetzt. Zudem hat man im Gegensatz zum Vorgänger "Man with a Mission" wieder auf Livedrums gesetzt und knüpft auch generell am grossartigen Debut "Glory to my King" an.

Zugegeben: wer bereits an den beiden Vorgängern nichts abgewinnen konnte, der kann sich auch hier getrost das Antesten sparen. Musikalisch folgen Golden Resurrection konsequent ihrem Konzept und erarbeiten sich trotz ihren gradlinigen christlichen Texten massiven Respekt vor allem auch in der säkularen Metalszene, was die vielen positiven Reviews weltweit belegen.
Und ich finde die Lobeshymnen durchaus gerechtfertigt, denn mit "One Voice for the Kingdom" ist den Schweden ein abwechslungsreiches Stück Neoclassical Metal gelungen, welches den Vorgänger in fast allen Bereichen weit hinter sich lässt und wirklich sehr nahe an das grossartige Debut "Glory to my King" heranreicht.

Die Songstrukturen sind zwar nach wie vor simpel gehalten und grösstenteils irgendwo im melodischen Power Metal anzusiedeln. Was aber Golden Resurrection besonders auszeichnet ist ihr Flair, durch neoklassische Gitarrenlinien den Songs eine durchaus edle Note zu verleihen. Gitarre und Keyboard harmonieren diesbezüglich perfekt: Man merkt dem Herrn Jansson die Professionalität an den Tasten eindeutig an, während man über Johansson keine weiteren Superlativen mehr hinzufügen muss. Christian Liljegren ist sowieso ein Garant für gesangliche Festigkeit und Alfred Fridhagen ist es zu verdanken, dass man durch seine live eingespielten Drums die Sterilität des Vorgängers vergisst.


Sei es der grossartige Opener "The Temple will remain" in typischer Up-Tempo Manier, der galoppierende Titeltrack, das grossartige Instrumental "Heavenly Metal", das schleppende "Night Light" oder das diskussionslose Referenzstück "Born for the Strangers" - Golden Resurrection kratzen schon fast auffällig an der Referenzklasse des Neoclassical Metal.

Man kann von den Schweden halten was man will, aber in ihrem Bereich haben sie alles richtig gemacht: "One Voice for the Kingdom" ist ein wahres Fest für das Herz des melodischen Metals geworden, gräbt sich mit seinen eingängigen Melodien tief in die Gehörgänge ein und wird nicht nur Golden Resurrection Fans der ersten Stunde erfreuen. Zugreifen!

Punkte: 8 / 10

Credits: Liljegren Records / DooLittle Group 2013

Mittwoch, 1. Oktober 2014

Im Schatten des eigenen Meisterwerks


SWORD 

Sweet Dreams 

(Metal, Heavy Metal) 


Irgendwann im Jahr 1986, irgendwo in Kanada: Sword schmettern mit "Metalized" nicht nur eines der grossartigsten Debuts auf den Markt, sondern zugleich ein ernsthafter Kandidat für den engeren Kreis der besten Heavy Metal Alben aller Zeiten. Die Reaktionen und Kritiken waren anno dazumal ausnahmslos positiv und das Album wurde mit Lobeshymnen regelrecht überschüttet. Die Erwartungen an den Nachfolger waren logischerweise unermesslich hoch und der Drang - aufgrund der Gunst der Stunde mit wachsender Fangemeinde, nicht zuletzt nach Liveauftritten als Supportact von Grössen wie Metallica, Alice Cooper oder Motörhead - das Album möglichst rasch zu veröffentlichen, versetzte die vier Herren vor eine grosse Herausforderung.

Und zwei Jahre später legen Sword mit "Sweet Dreams" nach. Und der erste Eindruck ist vorerst mal ernüchternd. Der Opener "Sweet Dreams" plätschert unerwartet sperrig und auf den ersten Hörgenuss ungewohnt langweilig dahin und man fragt sich, wo denn die Frische und die Spielfreude geblieben ist. Und dies ändert sich auch an den restlichen Stücken nicht wirklich - zumindest nicht beim ersten Durchlauf. Es kommt Enttäuschung auf, man sehnt sich nach "Metalized"-Feeling, welches man aber vergeblich sucht. Was ist bloss geschehen? Oder hat man das Album als solches nicht verstanden? Man steht vor einem scheinbaren Rätsel.
Nun hat man die Wahl: entweder schmeisst man die Scheibe in die nächste Ecke und vergisst sie einfach wieder oder man nimmt sich die Zeit und gibt "Sweet Dreams" eine zweite Chance und gönnt dem Teil noch ein paar Durchläufe.

Und es lohnt sich! "Sweet Dreams" ist kein nahtloser Nachfolger von "Metalized", wie sich die meisten gewünscht und erwartet haben. Nein, es ist vielmehr eine musikalische Weiterentwicklung einer Band, die man auf diese Weise schlichtweg nicht erwartet hätte und der man einfach zu wenig Zeit für dieses Album gelassen hat. Lässt man sich nämlich bewusster auf die Songs ein, dann wird man Finessen entdecken, die weit über den normalerweise einfach gestrickten Mustern des klassischen Heavy Metals liegen. Sword pflegen zwar ihren "right-in-your-face" Stil nach wie vor mit erfrischenden Riffs, Tempowechseln, herausragenden Gesangslinien und allgemein technisch makelloser Instrumentalisierung, trauen sich aber noch mehr musikalische Bandbreite zu. So wirkt der eine oder andere Song dann halt auf den ersten Hörgenuss etwas gemächlicher oder sperrig, da im Hinterkopf immer noch die zehn Granaten des Debuts geistern.


Der Titeltrack steht dann als ungewohnt ruhige Nummer gleich zu Beginn des Albums und bildet zusammen mit "Land of the Brave" für den Sword-Kenner der ersten Stunde die grösste Herausforderung des gesamten Albums. Wer sich mit diesen beiden Stücken anfreunden kann und darin die musikalische Weiterentwicklung der Band entdeckt, dem werden plötzlich Stücke wie "Back off", "Caught in the Act", "Life on the Sharp Edge" oder das rassige "State of Shock" runtergehen wie Öl.

Heute, wo seit der Veröffentlichung bereits über ein viertel Jahrhundert dazwischen liegt, schaut man "Sweet Dreams" mit etwas anderen Augen an. Zweieinhalb Jahrzehnte hat das Album überstanden und klingt - trotz der etwas stumpfen Produktion - immer noch top und viele Bands würden heute viel dafür geben, ein solches Album herauszubringen. Hätten Sword mit ihrem Debut "Metalized" die Messlatte nicht dermassen hoch gesteckt oder wären die beiden Alben vom Release her vertauscht, hätte "Sweet Dreams" gezündet wie ein Feuerwerk. So aber bleibt am Ende ein Album, welches immerhin Kultstatus besitzt und sehnsüchtig auf das dritte Werk der Kanadier hoffen und warten lässt.

In Anbetracht des Erstlingswerks - bei welchem man nicht drumherum kommt, es als Massstab zu nehmen - muss sich "Sweet Dreams" ganz klar geschlagen geben, trotzt aber selbst im heutigen Zeitalter voller Stolz der Konkurrenz und verpasst nur ganz knapp den Jackpot.

Punkte: 9 / 10

 Credits: Aquarius / Unidisc Music Inc. 1988 / 2009 (re-release)