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Sonntag, 17. August 2014

Monumentales Historienepos zum Nachdenken

KÖNIGREICH DER HIMMEL

 Kingdom of Heaven (USA, Spanien, Grossbritannien 2005)

 



Genre: Historienfilm, Monumental, Kriegsfilm, Drama
Regie: Ridley Scott
Darsteller: Orlando Bloom, Liam Neeson, Jeremy Irons, Eva Green, Brendan Gleeson, Michael Sheen, Edward Norton, Ghassan Massoud, Marton Csokas
Musik: Harry Gregson-Williams
Laufzeit: 189 Min. (Director's Cut)
Altersfreigabe: 16 

Themen: 
Religionskonflikt / -krieg, Vergebung, Vergeltung, Demut, Glaube, Festhalten – Loslassen
 

Saladin und seine Armee
Die Kreuzzüge gehören unbestreitbar zum dunkelsten Kapitel des Christentums. Wer sich in Kirchengeschichte etwas auskennt, der wird so manch unbegreifliche und unfassbare Handlungen und Delikte aus dieser Zeit herauslesen, dass es kaum wundert, weshalb die islamische Welt grundsätzlich das Christentum verachtet, ja wenn gar verabscheut. Von daher ist ein Kinofilm über dieses äusserst delikate Thema schon mal von Beginn an ein heikles Unterfangen, sich vor allem nicht in irgendwelche Klischees zu verlieren. Regisseur und bekennender Agnostiker Ridley Scott nahm sich der Herausforderung an und schuf ein bemerkenswertes Monumentalepos, welches sich zwar weitgehend nicht an die genauen geschichtlichen Ereignisse hält, in seinem Kern aber einen wichtigen Teil der Kreuzzüge und deren Auswirkung wiedergibt.

Balian auf dem Weg nach Jerusalem
So liegt der Fokus der Geschichte auf dem Schmied Balian von Ibelin (Orlando Bloom), während der Zeitspanne von 1184 – 1187, der um seine Frau trauert, die sich das Leben genommen hat. Während eines Tages ein Kreuzritter bei ihm auftaucht, sich als sein Vater ausgibt und ihn zur Mitreise ins Heilige Land überreden will, lehnt Balian zuerst ab. Doch der anschliessende Mord an einem Priester und quälender Unfriede veranlassen Balian zur Flucht. Als er seinen Vater, Godfrey von Ibelin (Liam Neeson), schliesslich erreicht, schliesst er sich ihm an. In der Hoffnung, in Jerusalem Frieden zu finden, gerät Balian immer tiefer in die Auseinandersetzung zwischen Christen und Moslems. Während nämlich der Leprakranke König Balduin (Edward Norton) sich um Frieden mit den muslimischen Nachbarn bemüht, werden immer wieder arabische Karawanen durch fanatische Tempelritter um deren Anführer Rainald de Chatillon (Brendan Gleeson) mit heimlicher Unterstützung des Templers Guy de Luisignan (Marton Csokas), Ehemann von Balduins Schwester Sybilla (Eva Green) und folglich Anwärter auf den Thron, überfallen. Und es dauert nicht mehr lange, bis sich Balian der wohl grössten Herausforderung stellen muss: die Belagerung Jerusalems durch den Sarazenenherrscher Saladin (Ghassan Massoud).

Balian und Sybille, Schwester des Königs
Verwandten Filmen wie „Troja“, „King Arthur“ oder „Gladiator“ (ebenfalls von Ridley Scott) ist „Königreich der Himmel“ um seine doch eher tiefgründigere Handlung voraus. Das mag erstaunen, doch genau das zeichnet ihn meines Erachtens eben aus, da man nicht einfach eine 3-stündige Schlacht serviert kriegt. Vielmehr wird mit Feingespür zwischen den Zeilen gespielt, den Zuschauer zum Reflektieren gebracht. Es herrscht nicht das übliche Gut / Böse Schema, welches man durchaus bei dieser Thematik anwenden könnte. Man muss Ridley Scott dafür wirklich loben, dass er zwar das Hauptaugenmerk auf die Christen und deren fragwürdige Machenschaften richtet, in ihrer Mitte aber ganz klar unterscheidet zwischen Fanatikern, blinden Eiferer, religiösen Feiglingen und Menschen, die ihren Glauben mit Verstand und Herz leben. Der Konflikt zwischen Christen und Moslems wird zudem sehr fair ausbalanciert, auch wenn ein gewisser Idealismus – und das könnte man dem Film ankreiden – nicht von der Hand zu weisen ist.

„Königreich der Himmel“, ein Film zum diskutieren und philosophieren. Oder in einem Satz zusammengefasst: Viele zwischenmenschliche Gespräche und Handlungen bilden unvergessliche Höhepunkte in einem der Zeit entsprechend eher düster gefilmten Epos, welches durch gute Schauspieler, tollen Schauplätzen, fesselnd inszenierten Schlachten und atmosphärischer Musik die ganz grossen Trümpfe vorweisen kann.

Balian begegnet Saladin, dem Herrscher der Sarazenen
Punkte: 9 / 10

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