Aus einer Sammlung von:
- Aktuelle, sowie vergessene musikalische Perlen aus der Welt des Rock und Heavy Metal
- Lohnenswerte Filme
- Gedanken aus aktuellem Anlass

Donnerstag, 21. August 2014

DAS ist Heavy Metal

IRON MAIDEN

The Number Of The Beast

(Metal, Heavy Metal, NWOBHM)
 

Um es gleich vorwegzunehmen: Das war meine erste Metalscheibe überhaupt. Hier eine rein objektive Betrachtung zu liefern wäre schlicht unmöglich. Aber wie kann man bei Musik schon objektiv bleiben? Egal.

The Number of the Beast (TNOTB) ist nicht nur das erste Album mit Bruce am Mikro, sondern das wichtigste für Iron Maidens Karrieredurchbruch. Mit dem Titelstück und dem Megahit "Run to the Hills" verfügt das dritte Maidenalbum gleich zwei der eisernen Klassiker, die nicht nur zur ewigen Setlist der Band, sondern auch ins Inventar eines jeden Metalheads gehören.
Aber TNOTB bietet weitaus mehr als das. Zwar beginnt die Scheibe mit dem schnellen "Invaders" für Maiden-Verhältnisse relativ unspektakulär, mündet aber bereits mit der Halbballade "Children of the Damned" in einem Triumphzug ein, der im nachfolgenden "The Prisoner" einen vorläufigen Höhepunkt erreicht: Tolles Intro, packende Riffs, filigrane Solos, präzise Rhythmussektion, kräftiger und klarer Gesang und eingängiger Refrain für die Ewigkeit - so hat perfektionierter Heavy Metal zu klingen. Mit "22 Acacia Avenue" wird die Geschichte von "Charlotte the Harlot" aus dem Debutalbum fortgesetzt. Und wenn man schon die Parallele zum Erstlingswerk ziehen will, wird man mit offenem Munde eingestehen müssen, welche unglaubliche Steigerung die Band innerhalb von nur zwei Jahren gemacht hat.


Über den Titeltrack und über "Run to the Hills" braucht man gar keine Worte zu verlieren – ihr Stellenwert innerhalb der Metalszene sprechen für sich. Es folgt das schnelle "Gangland", das vielleicht oft übersehen wird, aber trotz seiner Schlichtheit mit ausgezeichneter Handarbeit punkten kann. Abgeschlossen wird dieser Meilenstein der harten Klänge mit "Hallowed be thy Name", einem Referenzstück der Superlative in allen Belangen: Aufbau, Stimmung, Instrumentalisierung und sinnvoller, nachdenklich stimmender Text. Und was dieses Stück zudem zusätzlich auszeichnet, ist wie es den künftigen Maidensound für längere und epischere Stücke prägte.

Das Stück "Total Eclipse", welches auf einigen CD-Versionen enthalten ist, fällt im Gegensatz zum restlichen Material deutlich ab, passt auch irgendwie nicht zum grossartigen Rest. Auf der ursprünglichen Albumfassung war es jedenfalls nicht drauf, weshalb es auch nicht in dieser Bewertung berücksichtigt wird.

Fazit: Ein unbestreitbarer und unzerstörbarer Klassiker! Wer "The Number of the Beast" noch nicht sein Eigen nennen kann, der hat definitiv eine grosse Lücke in seiner Rock- / Metal-Sammlung, egal wie umfangreich diese auch sein mag.

Punkte: 10 / 10

Credits: Iron Maiden Holdings Ltd. 1982
(Digitally remastered 1998)

Sonntag, 17. August 2014

Monumentales Historienepos zum Nachdenken

KÖNIGREICH DER HIMMEL

 Kingdom of Heaven (USA, Spanien, Grossbritannien 2005)

 



Genre: Historienfilm, Monumental, Kriegsfilm, Drama
Regie: Ridley Scott
Darsteller: Orlando Bloom, Liam Neeson, Jeremy Irons, Eva Green, Brendan Gleeson, Michael Sheen, Edward Norton, Ghassan Massoud, Marton Csokas
Musik: Harry Gregson-Williams
Laufzeit: 189 Min. (Director's Cut)
Altersfreigabe: 16 

Themen: 
Religionskonflikt / -krieg, Vergebung, Vergeltung, Demut, Glaube, Festhalten – Loslassen
 

Saladin und seine Armee
Die Kreuzzüge gehören unbestreitbar zum dunkelsten Kapitel des Christentums. Wer sich in Kirchengeschichte etwas auskennt, der wird so manch unbegreifliche und unfassbare Handlungen und Delikte aus dieser Zeit herauslesen, dass es kaum wundert, weshalb die islamische Welt grundsätzlich das Christentum verachtet, ja wenn gar verabscheut. Von daher ist ein Kinofilm über dieses äusserst delikate Thema schon mal von Beginn an ein heikles Unterfangen, sich vor allem nicht in irgendwelche Klischees zu verlieren. Regisseur und bekennender Agnostiker Ridley Scott nahm sich der Herausforderung an und schuf ein bemerkenswertes Monumentalepos, welches sich zwar weitgehend nicht an die genauen geschichtlichen Ereignisse hält, in seinem Kern aber einen wichtigen Teil der Kreuzzüge und deren Auswirkung wiedergibt.

Balian auf dem Weg nach Jerusalem
So liegt der Fokus der Geschichte auf dem Schmied Balian von Ibelin (Orlando Bloom), während der Zeitspanne von 1184 – 1187, der um seine Frau trauert, die sich das Leben genommen hat. Während eines Tages ein Kreuzritter bei ihm auftaucht, sich als sein Vater ausgibt und ihn zur Mitreise ins Heilige Land überreden will, lehnt Balian zuerst ab. Doch der anschliessende Mord an einem Priester und quälender Unfriede veranlassen Balian zur Flucht. Als er seinen Vater, Godfrey von Ibelin (Liam Neeson), schliesslich erreicht, schliesst er sich ihm an. In der Hoffnung, in Jerusalem Frieden zu finden, gerät Balian immer tiefer in die Auseinandersetzung zwischen Christen und Moslems. Während nämlich der Leprakranke König Balduin (Edward Norton) sich um Frieden mit den muslimischen Nachbarn bemüht, werden immer wieder arabische Karawanen durch fanatische Tempelritter um deren Anführer Rainald de Chatillon (Brendan Gleeson) mit heimlicher Unterstützung des Templers Guy de Luisignan (Marton Csokas), Ehemann von Balduins Schwester Sybilla (Eva Green) und folglich Anwärter auf den Thron, überfallen. Und es dauert nicht mehr lange, bis sich Balian der wohl grössten Herausforderung stellen muss: die Belagerung Jerusalems durch den Sarazenenherrscher Saladin (Ghassan Massoud).

Balian und Sybille, Schwester des Königs
Verwandten Filmen wie „Troja“, „King Arthur“ oder „Gladiator“ (ebenfalls von Ridley Scott) ist „Königreich der Himmel“ um seine doch eher tiefgründigere Handlung voraus. Das mag erstaunen, doch genau das zeichnet ihn meines Erachtens eben aus, da man nicht einfach eine 3-stündige Schlacht serviert kriegt. Vielmehr wird mit Feingespür zwischen den Zeilen gespielt, den Zuschauer zum Reflektieren gebracht. Es herrscht nicht das übliche Gut / Böse Schema, welches man durchaus bei dieser Thematik anwenden könnte. Man muss Ridley Scott dafür wirklich loben, dass er zwar das Hauptaugenmerk auf die Christen und deren fragwürdige Machenschaften richtet, in ihrer Mitte aber ganz klar unterscheidet zwischen Fanatikern, blinden Eiferer, religiösen Feiglingen und Menschen, die ihren Glauben mit Verstand und Herz leben. Der Konflikt zwischen Christen und Moslems wird zudem sehr fair ausbalanciert, auch wenn ein gewisser Idealismus – und das könnte man dem Film ankreiden – nicht von der Hand zu weisen ist.

„Königreich der Himmel“, ein Film zum diskutieren und philosophieren. Oder in einem Satz zusammengefasst: Viele zwischenmenschliche Gespräche und Handlungen bilden unvergessliche Höhepunkte in einem der Zeit entsprechend eher düster gefilmten Epos, welches durch gute Schauspieler, tollen Schauplätzen, fesselnd inszenierten Schlachten und atmosphärischer Musik die ganz grossen Trümpfe vorweisen kann.

Balian begegnet Saladin, dem Herrscher der Sarazenen
Punkte: 9 / 10

Freitag, 15. August 2014

Progressive Klänge aus Schweden

DARKWATER

Where Stories End

(Metal, Melodic Metal, Progressive Metal)


Nachdem der Erstling der Schweden "Calling the Earth to Witness" vor allem Fans des Melodic Prog Metal zu gefallen wusste und gerade in diesem Sektor für gute Resonanz sorgte, legen die Jungs ihr zweites Werk vor. Und was für Eines!
Die Spielzeit des Debuts von über 70 Minuten wurde auf gute 50 verringert und auch ganz allgemein sind die Stücke kürzer gehalten. Waren sie bei "Calling the Earth to Witness" durchschnittlich um die 10 Minuten sind sie auf "Where Stories End" bei gut 6, was die Stücke zum einen kompakter, zum anderen interessanter und abwechslungsreicher macht.


Die Scheibe ist äusserts klar und für den Stil druckvoll produziert. Alle Instrumente klingen so wie sie sollen, auch wenn sich der eine und andere womöglich an den z.T. dominanten Keyboardklängen stören könnte. Wobei man diesbezüglich sagen muss, dass Magnus Holmberg seine Arbeit mehr als nur Recht macht und im Gegensatz zum Erstling sein Instrument noch stimmiger in die jeweiligen Stücke einverarbeitet.
Die Gitarrenarbeit kann sich wirklich hören lassen, der Gesang ist klar und überhaupt ist die Scheibe technisch makellos. Das Songwriting ist ausgereifter und wer Darkwater immer noch (mich eingeschlossen) mit den früheren Dream Theater (vor allem aus "Images & Words" Zeiten) vergleicht, der liegt nun definitiv falsch.

Darkwater haben ihren eigenen Stil entwickelt, ohne eine neue Richtung einzuschlagen, wohl aber dort fortzufahren, wo sie mit CTETW aufgehört hatten. Es fällt schwer einen Song hervorzuheben, denn alle haben einen hohen Anteil an Faszination. Dennoch seien als Anspieltipps "Breathe", "Why I Bleed" oder "In the Blink of an Eye" empfohlen.

Wer also stimmigen, melodischen Prog Metal mag, der sollte keinesfalls zögern, sich die Scheibe zuzulegen. Fans des Erstlings können so oder so blind zugreifen.

Punkte: 8 / 10

 Credits: Ulterium Records 2010

Dienstag, 12. August 2014

Junges Genie am Werk

REINXEED

Welcome To The Theater

(Metal, Symphonic Power Metal)


Nun denn, da liegt es vor, das bereits fünfte Album von ReinXeed in einem Zeitraum von fünf Jahren. Und in diesen fünf Jahren seien noch das Coveralbum „Swedish Hitz goes Metal“ und zwei Alben von Golden Resurrection erwähnt, an denen sich Mastermind Tommy Johansson zu einem ganz grossen Teil daran beteiligte.

Wer jetzt meint, dass „Welcome to the Theater“ ein unüberlegter Schnellschuss ist, der wird eines Besseren belehrt: bei weitem nicht! Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, woher sich dieser Tommy die Ideen nimmt, um einen regelrechten Knüller im Bereich des symphonischen und bombastischen Power Metals buchstäblich aus dem Ärmel zu schütteln. Man merkt, dass der junge Schwede ein leidenschaftlicher Film- bzw. Hollywoodfan ist. Was in den Vorgängeralben manchmal mehr und manchmal weniger wie ein metalisiertes Musical klang wird nun perfektioniert. Wurde auf dem Vorgänger „1912“ mächtig aufs Gaspedal gedrückt, darf man auf „Welcome to the Theater“ trotz den mehrheitlich rassig gespielten Songs eindeutig mehr Abwechslung erwarten.

Das Album ist für den eigenwilligen Sound optimal produziert: glasklar, streckenweise mit dem nötigen Keyboardbombast und mit Gitarren, die genau das unterstreichen, was der gute Herr draufhat (Tommy war übrigens als Gitarrist bei Sabaton im Gespräch, lehnte aber aufgrund seines Projekts schweren Herzens ab).
Auf einzelne Songs eingehen würde heissen, einen Film aus dem Zusammenhang zu reissen. Die Stücke sind kompositorisch auf allerhöchstem Niveau und ReinXeed hat mittlerweile einen wiedererkennbaren Sound entwickelt, den die Band nun endgültig davon ablöst, lediglich ein Klon von Sonata Arctica und Konsorten zu sein.


Sicherlich lassen sich die grossen Vorbilder nicht von der Hand weisen, aber das 5. Album beeindruckt durch eine bemerkenswerte Reife: fantastisch arrangiert, herausragend gespielt und eingängige Melodien zum mitsingen und –gröhlen. Als Anspieltipps empfehle ich trotzdem „Temple of the Crystal Skulls“, „Stranger Tides“ oder „Somewhere in Time“. Einfach zurücklehnen und geniessen.

Ok, ich kann meine Liebe zu ReinXeed nicht verbergen. Zu sehr hat mich ihr neustes Werk wieder aufs Neue überrascht, beeindruckt – ja, geradezu überwältigt! Wer also auf skandinavischen Symphonic Power Metal steht und auch den Worten eines Fans wie mir traut, der sollte eigentlich nicht enttäuscht werden. Für mich eines der stimmigsten Symphonic Power Metal Alben überhaupt.
Skål!

Punkte: 9 / 10

Credits: Liljegren Records / DooLittle Group 2012

Sonntag, 10. August 2014

Nachschub mit Glanzpunkten

GOLDEN RESURRECTION

Man With A Mission

(Metal, Melodic Metal, Neoclassical Metal)


Nun liegt es also vor mir, das komplette Nachfolgewerk des neusten Liljegren-Projekts, für welches er alle anderen Aktivitäten zurückgestellt oder gar vorübergehend eingestellt hat. Und der Erstling "Glory to my King" wurde ja nicht nur im christlichen Milieu mit Lobeshymnen aufgenommen, sondern hinterliess auch in der säkularen Metalwelt (zumindest musikalisch) beeindruckende Spuren.
Ja und knapp ein Jahr später melden sich die Herren aus Schweden wieder zurück. Mit einem Wechsel: Olov Andersson überlässt das Keyboard Kenneth Lillqvist.

Aber das ist nicht die einzige Änderung. Auch musikalisch gehen Golden Resurrection neue Wege.
Um es vorweg zu nehmen: Wenn man wieder Gitarrenbetonten und kantig produzierten, melodischen Power Metal erwartet, der wird über weite Strecken enttäuscht. "Man with a Mission" ist in diesem Sinn nicht das nahtlose Nachfolgewerk von "Glory to my King". Vielmehr schalten die Herren Liljegren und Johansson ein bis zwei Gänge zurück und konzentrieren sich noch klarer auf das neoklassische Element. Das Ganze klingt dann in vielen Songs wie eine metalisierte Version von Abba. Irgendwie bezeichnend, wenn man bedenkt, welch grossen Erfolg das Projekt "Swedish Hitz goes Metal" in Schweden feiert.

Wer sich über diese Tatsache im Klaren ist, der wird dann auch mit einer entsprechend anderen Haltung und mit ein- bzw. umgestellten Ohren an das Album herangehen.
Was das Songwriting betrifft, kann man nichts bemängeln. Routiniert, gut strukturiert (auch wenn nichts Überraschendes - ist ja aber schliesslich auch kein Prog Metal) und sehr eingängig. Christian Liljegrens Stimme ist bekannt und Tommys Gitarrenarbeit ist schlichtweg genial. Was der junge Schwede hier präsentiert ist einmal mehr grosse Klasse. Es ist nicht übertrieben zu behaupten, dass er durchaus das Potential zum ganz Grossen hat.


Zu einzelnen Songs:
- Man with a Mission: Ein gelungener Opener, welcher ganz klar die Richtung des gesamten Albums angibt. Abba lässt grüssen.
- Identity in Christ: Eine up-tempo Nummer mit fantastischen neoklassischen Gitarrenlinien. Allein die Gitarrenarbeit ist dieses Stück wert!
- Golden Times: Das erste Referenzstück auf der Scheibe und zugleich ein wahres Glanzstück in Sachen Melodic Metal.
- Finally Free: Ein Stück in bester ReinXeed-Manier, welches ohneweiteres aus deren "1912" Album stammen könnte.
- Metal Opus 1 C#M: Ein an Abba's Intermezzo No. 1 angeleihtes Instrumental.
- Are you ready for the Power: Ein Stück in bester Old School Heavy Metal Manier mit neoklassischen Elementen - ein weiterer erfreulicher Höhepunkt.
- Flaming Youth: Ein Stück, welches ganz gut einem Musical entstammen könnte.

Textlich hat sich hingegen nichts geändert. Die Botschaft ist unmissverständlich christlich, manchmal sogar zu offensichtlich missionarisch. Aber das ist bei Liljegren ja eigentlich nichts Neues.

Als Gesamtkonzept kann "Man with a Mission" - trotz der etwas sterilen und geglätteten Produktion - streckenweise überzeugen, auch wenn das Nachfolgewerk ganz klar im Schatten des Erstlings steht. Und irgendwie bleibt der Eindruck, dass man sich für das Album allgemein zu wenig Zeit gelassen hat. Aber man dürfte gespannt sein, wie sich die Herren musikalisch weiterentwickeln und vor allem wie das Material live klingt.

Punkte: 6 / 10

Credits: Liljegren Records / DooLittle Group 2011

Samstag, 9. August 2014

Thrash Metal Perle

FLOTSAM AND JETSAM

Doomsday For The Deceiver

(Metal, Thrash Metal)
 

Jeder hat so seine Präferenzen. Und im Bereich Thrash Metal habe ich eine vielleicht eher untypische, denn - im Gegensatz zur grossen Mehrheit, welche die Werke der Big 4 (Metallica, Megadeth, Slayer und Anthrax) glorifizieren - ich verbeuge mich selbst nach 28 Jahren immer noch vor diesem grossartigen Debut von Flotsam and Jetsam, der Band, aus der Jason Newsted stammt. Dieser verliess die Band ja dann bekanntlich aufgrund des tragischen Todes von Cliff Burton, um bei Metallica in dessen Fussstapfen zu treten.

Im Gegensatz zu ihren Genrekollegen klingen Flotsam and Jetsam weniger punkig und kantig, ohne aber dabei an Energie einzubüssen. Die Riffs sitzen, der Rhytmusteppich ist grandios und Eric A.K.s Gesang ist für eine Thrash Metal Band eher untypisch clean. Und genau dieser Punkt ist es dann auch, der F&J von den restlichen Bands ihres Sektors unterscheidet. Wie und wo man das Album nun heute einordnet, ist eigentlich zweitrangig. Zur Zeit seines Erscheinens war es einfach unter Thrash Metal klassifiziert.

Das Album startet mit "Hammerhead" und von den ersten Tönen an wird dem Hörer klar, dass hier eine Klasseband am Werk ist. Was Helloween mit ihrer speedigien Debut-EP angefangen hatten und sich schliesslich doch in eine etwas gemächlichere Richtung entwickelte, führen hier Flotsam and Jetsam fort: Das Tempo ist hoch, die Riffs fräsen, die Solis schneiden, der Bass jagd mit einer Präzision in bester Steve Harris-Manier und der Mann hinter dem Drumkit hat alles Bestens im Griff. Jeder Metaller (vor allem der alten Schule!), der hier nicht begeistert mitnickt, dem kann man wirklich nicht mehr weiterhelfen.


"Iron Tears" fällt es zwar schwer, dem Niveau des Openers standzuhalten, doch das muss es ja nicht zwingend. Trotzdem immer noch obere Liga.
Doch dann kommt "Desecrator" - meine Güte ist das vielleicht ein Brett, ein Nackenbrecher der Königsklasse!
"Fade to Black" ist dann als Erholung bestens geeignet. Wenn man dem Album ein Stück ankreiden möchte, dann ist es dieses. Trotzdem schmälert es keineswegs den Gesamteindruck des Albums, vielmehr erweitert es die musikalische Spannweite und bewahrt so vor einer allfälligen Eintönigkeit. Abgesehen davon ist es mit einer Spielzeit von 2:03 das kürzeste Stück.

Dann drehen die Herren aber definitiv auf und hauen mit dem Titeltrack und "Metalshock" gleich zwei Stücke um die Ohren, dass es einfach eine regelrechte Wohltat ist: wuchtig und dennoch gefühlvoll, rassig, gradlinig und dennoch zeitweise groovig und vor allem präzise. Beide Stücke übrigens mit stimmigen Intros.
"She took an Axe", "U.L.S.W." und "Der Fuhrer" können das gebotene Niveau problemlos halten, bevor es dann mit dem Instrumental "Flotzilla" bereits dem Ende zugeht und ein einzigartiges, grossartiges Debut abgeschlossen wird.

"Doomsday for the Deceiver" kann vielleicht keine Jahrhundertstücke wie "Master of Puppets" oder "Seek and Destroy" vorweisen, aber das nimmt dem Album nicht im geringsten die Klasse, welche es zweifelsohne besitzt. Wer es wagt, neben den Klassikern der Big 4 auch einer anderen Band ein Ausnahmealbum zuzutrauen, der wird hier mit Sicherheit fündig.

Meinem liebsten Thrash Metal Album - übrigens unterdessen zum 20-jährigen Jubiläum als grossartige Remaster-Edition erhältlich! - kann ich gar nicht anders als 10 von 10 Punkten geben.

Punkte: 10 / 10

Credits: Metal Blade Records 1986 / 2006