Aus einer Sammlung von:
- Aktuelle, sowie vergessene musikalische Perlen aus der Welt des Rock und Heavy Metal
- Lohnenswerte Filme
- Gedanken aus aktuellem Anlass

Montag, 26. Juni 2017

Helden auf sechs Saiten



Es gibt sie immer wieder: Die Top-Listen der Besten. Und sie sind immer gefärbt vom Zielpublikum und von der Quelle, aus der die Umfrage ausgegangen ist. Auch diese hier. Denn diese Liste ist persönlich und erhebt deshalb in keinster Weise objektiv zu sein. Wenn hier also Top-Gitarristen aufgelistet sind, so hat das Ranking primär nichts mit der Spielgeschwindigkeit, der Innovation oder des Einflusses auf andere zu tun. Es bleibt schlicht Geschmacksache.
Nun denn, hier ist meine persönliche Top 10:



10. Steve Stevens

Er war derjenige, der die einprägsame Solomelodie zum "Top Gun"-Soundtrack beisteuerte und massgeblich für die grossen Hits von Billy Idol verantwortlich ist. Seine wahre Grösse offenbart sich vor allem dann, wenn Songs auf die akustische Ebene hinunter gebrochen werden und diese mitunter dann sogar noch das Original übertreffen.




9. Tommy Johansson

Mittlerweile als Gitarrist bei Sabaton bekannt, machte der junge Schwede vor allem mit seinem Projekt "ReinXeed" auf sich aufmerksam, wo er sich nicht nur als begnadeter Gitarrist erwies, sondern vor allem auch als beachtlicher Songwriter von sich Reden machte. Seine neoklassischen Einflüsse nach malmsteenischem Vorbild sind klar herauszuhören und sein Gespür, sowohl Drive als auch einprägsame Melodien zu erschaffen, machen ihn zu einem Gitarristen mit unwiderstehlichem Charakter. 




8. Filip Kolus

Viel Talent, wenig Bekanntheitsgrad – so lässt sich dieser Mann in einfachen Worten zusammenfassen. Als Gitarrist der Slowaken Signum Regis verleiht er dieser ebenso zu wenig beachteten Melodic Metal Band das Gitarrengewitter, das nebst rasanten Riffs und einem gekonnten Flair für Klassik vor allem viel Spielfreude und Groove besitzt. Verborgener Held.




7. Tommy Vetterli

Genauso übersehen wie die Band, in der er spielt: Tommy Vetterli aka Tommy T. Baron ist als Gitarrist des Trios Coroner eine echte Offenbarung. Klassische, wie auch jazzige Einflüsse flitzen in Pfeilschnelle und dennoch präzise wie ein Schweizer Uhrwerk durch die Gehörgänge – egal, ob rasende oder stampfende Riffs oder filigrane Solos. King of Technical Thrash.




6. Michael Romeo

Die Prog-Metal-Ecke ist übersät mit talentierten Musiker, doch keiner hat diesen wiedererkennbaren Riff-Groove, vermischt mit Neoklassik wie Michael Romeo. Im Gegensatz zu Hochgeschwindigkeitsshreddern wie Malmsteen oder Impellitteri, dominiert bei Romeo immer wieder die Melodie. Atemberaubend.




5. Wolf Hoffmann

Er ist der Soundschmied der wohl grössten Heavy Metal Band Deutschlands. Wolf Hoffmann von Accept ist nicht nur ein Riffmaster par excellence, vielmehr auch ein erstklassiger Solokünstler, wo vor allem auch seine klassischen Einflüsse unverkennbar immer wieder durchschimmern. Ein Ass seiner Klasse.




4. Dave Bainbridge

Als Multiinstrumentalist spielt er sein Talent vor allem in seinen Kompositionen aus. Mit der Celtic Rock Band Iona hat er nicht nur ein beachtliches Albumvermächtnis vorzuweisen, sondern verblüfft immer wieder auch durch seine spontanen Sessions, u.a. mit dem mittlerweile bei Nightwish mitwirkenden Dudelsackspieler Troy Donockley. Unscheinbares, musikalisches Juwel.




3. Malcolm Young

Redet man von AC/DC, redet man meistens von Angus Young. Doch die wahre treibende Kraft hinter diesem simplen und unverkennbaren bluesigen Trademark-Rock-Sound entspringt seinem Bruder Malcolm. Auf seinen unwiderstehlichen Riffs baut sich der ganze Zauber der Stromjungs auf, der oft kopiert, aber nie erreicht wurde. Das spricht für sich. Einer der grossartigsten Rhythmusgitarristen aller Zeiten.




2. Brian Setzer

Er hat den Neo-Rockabilly mit seiner Band "Stray Cats" ins Rollen gebracht und veröffentlichte seither schier unzählige Soloscheiben. Ein begnadeter Rock'n'Roll-Gitarrist mitsamt allen Ecken und Kanten – ungebügelt, frech und fadengerade. Unverwüstlich.




1. Dave Murray

Steve Harris sagt von ihm, dass er der beste Gitarrist sei, mit dem er je zusammengearbeitet hat. Tatsächlich ist Dave neben Steve das einzig verbliebene Mitglied der Originalbesetzung von Iron Maiden. Dave ist zwar nicht gerade der fleissigste Songwriter und wirkt nach aussen tendenziell zurückhaltend und ruhig. Aber sein Gespür für markante Harmonien, schnelle und dennoch wiedererkennbare Solos sowie das Zusammenspiel mit seinem Jugendgefährten Adrian Smith, vollendet erst die Soundvision von Steve Harris und macht sie somit zum Warenzeichen einer der grössten Rockbands aller Zeiten. Ein unscheinbarer, bescheidener und dennoch technisch brillanter Held auf den sechs Saiten. Unantastbare Nummer 1.



Montag, 12. Juni 2017

Der Titel ist Programm – auf guten wie auch weniger guten Seiten ...


BATTLE BEAST

Bringer of Pain


(Metal, Heavy Metal, Melodic Metal)



Als Newcomer von Nightwish während ihrer Imaginaerum-Tour und als Gewinner von Wackens Metal-Battle, waren sie mit ihrem Debut "Steel" die Senkrechtstarter in einer vorwiegend von härteren Klängen dominierten Szene. Und mit ihrem selbstbetitelten zweiten Werk und der neuen Sängerin Noora Louhimo spielten sich die sechs Finnen endgültig mitten ins Herz der Stahlgemeinde. Mit ihrem durch und durch von 80's geprägtem Sound-Feeling, gepaart mit moderner Produktion, brachten sie Kritiker sowie gestandene Metalfans regelrecht ins Schwärmen. Und auch live avancierten die Youngsters zum Abräumer, auch wenn lediglich als Support-Act. Es folgte der heiss erwartete Nachfolger "Unholy Savior" und der anschliessende, überraschende Ausstieg von Mitbegründer und Hauptsongwriter Anton Kabanen. Das Album selbst spaltete aufgrund der streckenweise etwas zu poppigen Ausrichtung die Gemüter, auch wenn es in Finnland den Erfolg des Vorgängers im Handumdrehen hinter sich liess.

Mit "Bringer of Pain" knüpfen Battle Beast nahtlos an ihrem kommerziellen Erfolg an. Die Fragen bleiben diesbezüglich, welchen musikalischen Weg die Finnen dabei einschlagen und wie sie den Weggang von ihrem bisherigen Songlieferanten verkraften würden. Tatsache ist, dass die Band auch ohne Kabanen nach wie vor nach Battle Beast klingt und den etwas durchzogenen Vorgänger "Unholy Savior" streckenweise um Längen übertrifft. Ja, leider nur streckenweise. Denn auch auf "Bringer of Pain" haben sich unnötige Füller eingeschlichen, die nur schwer zu verdauen sind: Während auf dem Vorgänger mit 'Touch in the Night' eine Art 80's-Pop-Hommage noch seinen Charme hatte und sich kohärent ins Album einfügen liess, kann man 'Dancing with the Beast' nur noch als peinliche Bruchlandung bezeichnen. Auch die Ballade 'Far from Heaven' ist weit davon entfernt, um überhaupt auf einem Rock-, geschweige denn auf einem Metal-Album zu bestehen. Und die Nightwish-Plagiate 'Beyond the Burning Skies' und 'Lost in Wars' stehen Battle Beast schlichtweg nicht, auch wenn Noora in allen Stimmlagen eine tadellose, ja geradezu brillante Figur macht. Auf der anderen Seite aber verfügt "Bringer of Pain" über bemerkenswertes Hitpotential, das klarstellt, dass der Ofen noch lange nicht aus ist. Und dabei spielt es keine Rolle, ob es die Airplay-tauglichen 'King for a Day' oder 'Familiar Hell' sind, die Nackenmuskeln bei Krachern wie beim Titeltrack oder 'Bastard Son of Odin' beansprucht werden, oder sich die hymnenhaften 'Straight to your Heart', 'God of War' oder 'The Eclipse' in die Gehörgänge spielen.

Der kommerzielle Erfolg gibt Battle Beast recht, doch das dürfte weniger am Songmaterial per se liegen, vielmehr an Noora Louhimo. Was diese Frau an stimmlicher Versiertheit, an Leidenschaft, unbändiger Energie und gleichzeitigem Feingespür an den Tag legt, sucht seinesgleichen. Und es ist nicht anmassend, sie in einem Atemzug mit Grössen wie die Metal-Queens Doro Pesch oder Lee Aaron zu nennen. Schaffen es Battle Beast für die künftigen Scheiben, sich von bewährten Kommerzklischees zu lösen, dann dürfte der Weg in die Metal-Oberklasse geebnet sein.


Punkte: 8 / 10