Aus einer Sammlung von:
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Montag, 12. Juni 2017

Der Titel ist Programm – auf guten wie auch weniger guten Seiten ...


BATTLE BEAST

Bringer of Pain


(Metal, Heavy Metal, Melodic Metal)



Als Newcomer von Nightwish während ihrer Imaginaerum-Tour und als Gewinner von Wackens Metal-Battle, waren sie mit ihrem Debut "Steel" die Senkrechtstarter in einer vorwiegend von härteren Klängen dominierten Szene. Und mit ihrem selbstbetitelten zweiten Werk und der neuen Sängerin Noora Louhimo spielten sich die sechs Finnen endgültig mitten ins Herz der Stahlgemeinde. Mit ihrem durch und durch von 80's geprägtem Sound-Feeling, gepaart mit moderner Produktion, brachten sie Kritiker sowie gestandene Metalfans regelrecht ins Schwärmen. Und auch live avancierten die Youngsters zum Abräumer, auch wenn lediglich als Support-Act. Es folgte der heiss erwartete Nachfolger "Unholy Savior" und der anschliessende, überraschende Ausstieg von Mitbegründer und Hauptsongwriter Anton Kabanen. Das Album selbst spaltete aufgrund der streckenweise etwas zu poppigen Ausrichtung die Gemüter, auch wenn es in Finnland den Erfolg des Vorgängers im Handumdrehen hinter sich liess.

Mit "Bringer of Pain" knüpfen Battle Beast nahtlos an ihrem kommerziellen Erfolg an. Die Fragen bleiben diesbezüglich, welchen musikalischen Weg die Finnen dabei einschlagen und wie sie den Weggang von ihrem bisherigen Songlieferanten verkraften würden. Tatsache ist, dass die Band auch ohne Kabanen nach wie vor nach Battle Beast klingt und den etwas durchzogenen Vorgänger "Unholy Savior" streckenweise um Längen übertrifft. Ja, leider nur streckenweise. Denn auch auf "Bringer of Pain" haben sich unnötige Füller eingeschlichen, die nur schwer zu verdauen sind: Während auf dem Vorgänger mit 'Touch in the Night' eine Art 80's-Pop-Hommage noch seinen Charme hatte und sich kohärent ins Album einfügen liess, kann man 'Dancing with the Beast' nur noch als peinliche Bruchlandung bezeichnen. Auch die Ballade 'Far from Heaven' ist weit davon entfernt, um überhaupt auf einem Rock-, geschweige denn auf einem Metal-Album zu bestehen. Und die Nightwish-Plagiate 'Beyond the Burning Skies' und 'Lost in Wars' stehen Battle Beast schlichtweg nicht, auch wenn Noora in allen Stimmlagen eine tadellose, ja geradezu brillante Figur macht. Auf der anderen Seite aber verfügt "Bringer of Pain" über bemerkenswertes Hitpotential, das klarstellt, dass der Ofen noch lange nicht aus ist. Und dabei spielt es keine Rolle, ob es die Airplay-tauglichen 'King for a Day' oder 'Familiar Hell' sind, die Nackenmuskeln bei Krachern wie beim Titeltrack oder 'Bastard Son of Odin' beansprucht werden, oder sich die hymnenhaften 'Straight to your Heart', 'God of War' oder 'The Eclipse' in die Gehörgänge spielen.

Der kommerzielle Erfolg gibt Battle Beast recht, doch das dürfte weniger am Songmaterial per se liegen, vielmehr an Noora Louhimo. Was diese Frau an stimmlicher Versiertheit, an Leidenschaft, unbändiger Energie und gleichzeitigem Feingespür an den Tag legt, sucht seinesgleichen. Und es ist nicht anmassend, sie in einem Atemzug mit Grössen wie die Metal-Queens Doro Pesch oder Lee Aaron zu nennen. Schaffen es Battle Beast für die künftigen Scheiben, sich von bewährten Kommerzklischees zu lösen, dann dürfte der Weg in die Metal-Oberklasse geebnet sein.


Punkte: 8 / 10

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