Aus einer Sammlung von:
- Aktuelle, sowie vergessene musikalische Perlen aus der Welt des Rock und Heavy Metal
- Lohnenswerte Filme
- Gedanken aus aktuellem Anlass

Mittwoch, 8. April 2015

Young & Old School? Danke sehr!


SKULL FIST

Chasing the Dream

(Metal, Heavy Metal, Power/Speed Metal)


Ja, ich gebe es zu, bei Metal der Alten Schule neige ich zu besonderer Schwäche; ich werde augenblicklich hellhörig, es zieht mir die Mundwinkel nach oben, mein Puls steigt an, Gänsehaut breitet sich aus und ein unwiderstehliches Mitwippen im Takt steigern sich zu einem unübertrefflichen Stimmungsbarometer. Dass dies bei Klassikern vorkommt, ist eine Sache. Der andere erfreuliche Fakt ist der, dass sich selbst in einem völlig übersättigten Markt von extremen Metal-Entwicklungen zunehmend junge Bands an der Alten Schule orientieren und unbeeindruckt auf jegliche Trends pfeifen.

So haben Skull Fist aus Kanada schon mit ihrer EP im Underground von sich Reden gemacht und mit dem darauffolgenden Debutalbum "Head öf the Pack" so manchem 80's-Nostalgiker ein Strahlen aufs Gesicht gezaubert. Mit "Chasing the Dream" folgt man unbeirrt dem eingeschlagenen Pfad und sendet damit ein ganz klares Signal, welches die traditionelle Metalgemeinde erfreuen wird und um einen weiteren Hoffnungsträger bereichert: klassischer Heavy/Speed Metal der Marke Riot in bester "Thundersteel"-Manier wird hier während knapp 37 Minuten zum Besten gegeben. Konkret heisst das, dass man Gitarrenläufe und -riffs in Hochgeschwindigkeit erwarten darf, von treibenden Bässen und Drums streckenweise regelrecht überfahren wird und haufenweise Refrains zum Mitsingen kriegt.


Stimmt, diese Art von Metal ist nicht jedermanns Sache. Und spätestens beim (zugegebenermassen gewöhnungsbedürftigen) hohen Gesang von Zach Slaughter wird es manchem Runzeln in die Stirn drücken und den ganz Empfindlichen gar Vorzeichen für einen Tinnitus hervorrufen. Doch was das ungeschulte Ohr womöglich noch zu schätzen lernen muss, ist beim Kenner längst eine willkommene Beilage. Denn mal vom Gesang abgesehen, lassen Skull Fist nun wirklich nichts anbrennen und lassen mit 9 abwechslungsreichen Songs den Spirit der 80er so richtig aufleben: Vom rassigen Opener "Hour to Live", über die Hymnenhaften "Bad for Good" oder "You're gonna Pay" bis hin zum Instrumentalen "Shreds not Dead" wird man daran erinnert, warum die traditionelle Schmiede des Schwermetalls so unwiderstehlich ist - es bläst einem einfach weg! Und "Don't stop the Fight", aber vor allem "Sign of the Warrior" ziehen selbst den heute so grossen Dragonforce die Klammotten aus und lassen sie daneben wie eine Teenie-Boygroup aussehen.

Also ein Meisterwerk? Schwer zu sagen, weil es als solches weder angepriesen wird, noch dazu gedacht ist, eines zu sein. Und vielleicht gerade deswegen ist "Chasing the Dream" so faszinierend, weil es einfach frisch von der Leber und voller Herz daherkommt - egal, ob Skull Fist damit weiterhin nur im Underground abräumen oder ob irgendwann mal auch andere auf den Geschmack kommen. Wie auch immer die Geschichte mit dieser Band weitergehen wird, ein Kultwerk ist "Chasing the Dream" allemal.

Punkte: 8.5 / 10

Credits: NoiseArt Records 2014

Donnerstag, 2. April 2015

Postapokalyptische Vision


THE BOOK OF ELI

Originaltitel: The Book of Eli (USA 2010)



Genre: Action, Abenteuer, Western
Regie: Albert & Allen Hughes
Darsteller: Denzel Washington, Gary Oldman, Mila Kunis, Ray Stevenson, Jennifer Beals, Evan Jones, Joe Pingue
Musik: Atticus Ross
Laufzeit: 118 Min.
Altersfreigabe: 16
 Themen: Apokalypse, Anarchie, Macht, Religion, Glaube, Bibel


Irgendwo in Amerika 2044: Die Welt nach der Apokalypse
Neben unzählig vielen Filmen, die hauptsächlich aufs Massenpublikum zugeschnitten sind und dementsprechend mehr oder weniger kantenlos daherkommen, gibt es hin und wieder auch diejenigen Streifen, die auf unmissverständliche Weise polarisieren; die einen lässt es kalt und erzürnt im schlimmsten Fall gar die Gemüter, während die anderen vom soeben Dargebotenen kaum mehr aus den Entdeckungen und Diskussionen herauskommen. „The Book of Eli“ ist ganz klar ein solcher Film – ein Film, der die Geister scheidet. Der zweifache Oscar Preisträger Denzel Washington spielt darin nicht nur die Hauptrolle, sondern agiert auch als Produzent mit, was in gewisser Weise auch die Wichtigkeit seiner persönlichen Haltung gegenüber dem Filminhalt (wie bereits bei „Antwone Fisher“ oder „The Great Debaters“) widerspiegelt.

Wem kann man trauen da draussen?
Das Szenario spielt sich im postapokalyptischen Amerika von 2044 ab. Die Welt ist mittlerweile eine einzige Ödlandschaft, die durch einen grossen Krieg fast alles Leben ausgelöscht hat. Die Überlebenden kämpfen um jeden Schluck Wasser und überhaupt herrschen anarchische Zustände. Unter ihnen wandert ein einsamer Mann mit Sack und Pack durchs karge Land Richtung Westen. Er trägt ein geheimnisvolles Buch mit sich, an welches der Despot einer kleinen Wüstenstadt unbedingt herankommen will. Es handelt sich um die Bibel, von der im grossen Krieg sozusagen alle Exemplare vernichtet wurden, da sie zu gefährlich sei. Immer wieder entsendet Carneige (Gary Oldman) seine Bande, um an ein Exemplar zu gelangen, weil er glaubt, damit die Menschen besser zu kontrollieren und zu beherrschen. Als eines Tages Eli (Denzel Washington) in der Stadt auftaucht, scheint die Suche endlich ein Ende gefunden zu haben. Oder ist es erst der Anfang?

Darauf muss man sich erst einmal einlassen: ödes und karges Land, praktisch ohne Ausnahme in Sepia oder Schwarzweiss gehaltene Bilder, eine wirklich dichte und manchmal erdrückende Atmosphäre und zwar vereinzelte, aber rauhe Gewaltszenarien. Das ist die Welt von 2044, 30 Jahre nach der Apokalypse.

Ich will dieses Buch haben!
„The Book of Eli“ mutet vom stilistischen Look her wie eine Mischung aus „Mad Max“ und „Pale Rider“ an – man könnte ihn ohne weiteres als atmosphärischen und postapokalyptischen Western bezeichnen – schlägt dann aber mit zunehmender Spielzeit eine philosophische und vor allem eine von christlicher Ideologie getragene Richtung ein. Und wenn dann die eine und andere Wendung einem von solider Dramaturgie getragenen Endzeitfilm den Stempel aufdrücken, wird man am Ende des Films und darüber hinaus immer wieder Zitate und Anspielungen finden, bei denen vor allem der vertraute Bibelkenner erstaunliche Zusammenhänge und Finessen entdecken wird.

Wie polarisierend sich dies anhören mag und auswirken wird, „The Book of Eli“ leistet als Film, Denkanstoss und Diskussionstoff ganze Arbeit. In Anbetracht dessen ist der Film absolut lohnenswert und verzeiht so die eine und andere diskutierbare Logiklücke.
Kurz: Kultkino par excellence!

Punkte: 9 / 10

Mittwoch, 1. April 2015

Aus der Raritätenkiste...


ANGEL DUST

Into The Dark Past

(Metal, Speed/Thrash Metal)


Während die glorreichen 80er für viele Metalbands zur Geburtsära ihrer Karriere wurde, litten etliche unter unvorteilhaften oder gar desaströsen Bedingungen ihrer Labels. So blieb es vor allem für Underground-Bands eher schwierig, sich durchzusetzen und einen Namen zu machen. Jedenfalls ging es auch Angel Dust in der ersten Phase ihrer musikalischen Laufbahn so ziemlich an den Kragen. Ihre ersten beiden Scheiben, welche 1986 und 1988 auf den Markt kamen, machten vorerst hauptsächlich in ihrer Heimat Deutschland die Runde und gesellten sich lediglich unter einer nahezu unübersichtlichen Anzahl vielversprechender Newcomer. Dies hatte zur Folge, dass man die Band schliesslich auflöste, um sie dann zehn Jahre später wieder ins Leben zu rufen - allerdings mit einer komplett anderen Besetzung und einem Stilwechsel: statt schnellem und melodischem Thrash Metal, richtete man sich einem gemächlicheren Power Metal aus.

Die beiden Scheiben aus den 80ern "Into the Dark Past" und "To Dust you will Decay" geniessen mittlerweile Kultstatus, sind zudem komplett vergriffen und gehören zu den grössten Sammlerperlen unter Metallern, für die man über Auktionsplattformen wie Ebay ganz tief in die Tasche greifen muss. Aber sind es die Scheiben musikalisch auch Wert oder geht's nur um den Sammlerwert? Nun, das bleibt im Endeffekt immer noch Geschmacksache, aber wer technisch gut gespieltem, schnellem und dennoch melodischem Thrash Metal etwas abgewinnen kann, der sollte vor allem das Debut "Into the Dark Past" mal genauer ins Visier nehmen. Denn während "To Dust you will Decay" mit neuem Sänger bereits etwas gedrosselter daherkommt und streckenweise sogar wie eine Brücke zur zweiten Phase der Band anmutet, wird auf "Into the Dark Past" gnadenlos aufs Gaspedal gedrückt. Unverständlich, wie man eine solche Scheibe dem Durchschnitt zu Futter machen konnte. Aber eben, das Niveau der Stahlschmiede hatte Anno 86 mittlerweile ein wahrhaft königliches Level erreicht.


So wird nach einer kurzen akustischen Einstimmung mit "I'll come back" im Eilzugstempo losgelegt. Man hört auf Anhieb heraus, welch grossen Einfluss die beiden ersten Metallica-Scheiben "Kill 'em all" und "Ride the Lightning" auf die gesamte Thrash Metal-Szene ausübten, denn genau in diese Kerbe hauen auch Angel Dust. Trotz hohem Tempo verliert man nie die Übersicht und ballert Riffs en masse in allen möglichen Tempolagen - ein regelrechtes Freudenfest für jeden Thrasher! "Legions of Destruction" entpuppt sich gar als echter Knaller und gehört für mich zu den absoluten Top-Tracks im gesamten Speed/Thrash-Sektor. Der Rest ist grundsolides Handwerk, durchgehend auf technisch hohem Niveau und kurzweilig gezockt, auch wenn es am Schluss dann halt doch etwas die Abwechslung missen lässt. Aber bei einer Spielzeit von knapp 40 Minuten ist dies leicht zu verschmerzen.

"Into the Dark Past" ist also nicht nur eine erwerbliche Rarität, sondern auch eine regelrechte Genre-Perle, die jedem Fan von schnellem und melodischem Thrash Metal den Puls höher schlagen lässt. Wer auch immer die Gelegenheit hat, in irgendeiner Form zu einem vernünftigen Preis an diese Scheibe heranzukommen - ungezögert zugreifen!

Punkte: 9 / 10

Credits: Disaster (Vinyl) / Scratch Records (CD) 1986


Freitag, 6. März 2015

Rock aus dem Berner Oberland


MILESTONE

Demo 2014 / Seed (Single)

(Rock, Alternative Rock, Alternative Metal)


Milestone ist eine Alternative Rock/Metal Band, die 2007 in Thun, Schweiz, gegründet wurde. Begonnen hat die Band mit AC/DC ähnlichem Hard Rock. Durch diverse Mitgliederwechsel und einem neuen Leadsänger aus Spanien hat sich auch ihr Stil weiterentwickelt. Der jetzige musikalische Stil der Band wurde unter Anderem von der altbekannten Band Metallica sowie von Alter Bridge geprägt. (Auszug aus www.milestoneofficial.com)

Irgendwann mal voller Freude und Bescheidenheit vom Gitarristen der Band in meine Hand gedrückt gekriegt, habe ich der schlichten, aber dennoch ansprechend gestalteten 4-Track Demo mittlerweile ein paar Durchläufe gegönnt. Denn während sich die Mehrheit der jungen Bands der härteren Klänge eher dem gnadenlosen Geknüppel verschrieben hat, gehen die Herren aus dem Berner Oberland eher gemächlicher zur Sache und spielen erfrischenden, Gitarrenbetonten Rock mit Post-Grunge Anleihen, die zwar die erwähnten musikalischen Paten nicht überhören lassen, stets aber darum bemüht sind, ihren eigenen Stil zu entfalten.

Bestes Beispiel dafür ist das Stück "Home". Anfangs erinnert das Stück an Metallicas balladeske Klänge der Marke "Fade to Black" oder "One", entwickelt sich dann aber zu einer eigenständigen, grossartigen Halbballade, die wirklich keine Wünsche mehr offen lässt: Instrumentalisierung schlicht gehalten, aber gekonnt eingesetzt, der Gesang passt, ein kurzes, aber melodisch perfekt eingefügtes Solo im Mittelteil und ein sauberes Crescendo zum Schluss - der klare Höhepunkt des gesamten Demos.

Doch auch die restlichen drei Stücke können sich durchaus hören lassen! "Time Has No Reverse" besticht nach ruhigem Anfang durch zunehmendes Riffgewitter, welches sich schon in der metallischen Gegend bewegt und für einmal die Zügel ganz loslässt und sich austobt. Denn im Gegensatz dazu klingen die beiden anderen Stücke "Answer" und "Secret Life" eher gedrosselt, was aber nicht heisst, dass sie schlechter wären. Im Gegenteil. Der groovige Sound der Post-Black Album-Ära von Metallica und die Alternative Rock bzw. Post-Grunge Einflüsse runden das Gesamtbild des Demos ab und offenbaren so einen interessanten musikalischen Querschnitt, auf dem die Band aufbauen und daran arbeiten kann.

Die Stärken liegen, trotz des jungen Alters, an der Instrumentalisierung und am Songwriting. Man merkt, dass man in keinem Fall - auch nur Ansatzweise - bloss ein Abklatsch von Band 08/15 sein will. Die Einflüsse sind zwar klar herauszuhören, aber es ist klingt nie nach einer Kopie.

Die wahrscheinlich grösste Herausforderung für eine Rockband ist einen geeigneten Sänger zu haben. Tommy Fenyx erweist sich diesbezüglich als gute Wahl. Was die Sache bei Milestone schwierig macht, ist, dass es die Klangbreite von sanften, über rockige bis hin zu metallischen Klängen abzudecken gilt. Dies gelingt ihm zwar mühelos, wenngleich man sich in den härteren Passagen durchaus etwas mehr Aggressivität vorstellen könnte.

Das Gitarrenduo - also das Herzstück einer Rockcombo - Tobias Rupp und Jonas Schmid harmoniert top und klingt abwechslungs- und ideenreich. Auch wenn es manchmal den Eindruck erweckt, dass die beiden Herren mit etwas angezogener Handbremse spielen, so verrichten sie ihre Arbeit auf den vier Demosongs einwandfrei. Man dürfte gespannt sein, wie sich dies in Zukunft entwickeln und anhören wird.

Vom Rhythmus her ein, wie bereits erwähnt, eher ruhiges, aber grooviges und abwechslungsreiches Demo. Eine Frage stellt sich allerdings: Wie werden die Stücke klingen, wenn ein ganzes Album gefüllt wird? Hat man nämlich vier bis sechs weitere Stücke, welche in die gleiche Richtung gehen, könnte es sich auf Dauer etwas sperrig anhören. Etwas mehr die Handbremse loslassen, zwischendurch auch mal weniger komprimiert spielen und gezielte Hooklines einsetzen, würden den Sound dieser begabten Herren keinesfalls verfälschen oder gar verraten, vielmehr erweitern und noch zugänglicher machen.

Aber letzten Endes bleibt abzuwarten, wie sich Milestone weiterentwickelt, wie sie als Band musikalisch zusammenwächst und vor allem, wie sich der Sound live bewährt. Von daher bin ich sehr gespannt und freue mich vorerst mal an einer durchaus gelungenen Demo-CD.

Update: Seed (Single)


Während man sich gerade die Demo-CD gegönnt hat, haben die fünf Jungs ein paar Konzerte gespielt und offensichtlich fleissig geprobt und an sich gearbeitet. Denn ihre Single "Seed", welche man in digitaler Form erwerben kann, knüpft nicht einfach nur nahtlos an ihrem Demo an, sondern zeigt Milestone in beachtlich gesteigerter Form: Von der angezogenen Handbremse bei den Gitarren ist keine Spur mehr zu erkennen, das Songwriting ist top (auch wenn man meiner Meinung nach die kurzen Breakdowneinschübe hätte weglassen können) und der Gesang passt perfekt ins Gesamtbild.

Stilistisch hat man sich etwas vom Metallica-ähnlichen Sound wegentwickelt und orientiert sich noch deutlicher in die Post-Grunge Richtung mit viel Groove. Frühere Nickelback-Anleihen sind nicht zu leugnen und wer das Album "Temptation Come My Way" von The Showdown kennt, der wird mir zustimmen, dass man im Berner Oberland einen Zwilling gefunden hat.

Mit "Seed" unterstreichen Milestone noch einmal ihr Potential und dürften mit ihrer etwas moderner eingeschlagenen Richtung eine Menge junger Fans dazugewinnen. Zu gönnen wäre es ihnen jedenfalls. Weiter so, Jungs!
   
Punkte: keine Bewertung

Credits: www.milestoneofficial.com

Montag, 2. März 2015

Wenn AC/DC-Jünger richtig zu Werke gehen...


DYNAMITE 

Lock n Load 

(Rock, Blues Rock, Hardrock) 


Jeder kennt sie, die Stromjungs aus Australien AC/DC, eine der einflussreichsten und erfolgreichsten Acts in der Rockgeschichte. Und obwohl es mittlerweile unzählige Coverbands davon gibt und sich immer wieder die einen und anderen an den simplen bluesigen Hardrock herantasten, schaffte es in der Neuzeit bisher einzig Airbourne, nicht nur in deren Fusstapfen zu treten, sondern auch damit erfolgreich zu sein. Und während Airbourne, wie auch frühere mit AC/DC vergleichbare Bands wie Krokus, Def Leppard oder Cinderella ihren eigenen Stil entwickelt haben, setzen Dynamite aus Schweden am Grundgerüst der Stromjungs, will heissen der Ära von Bon Scott an. So klingt Sänger Mattis nicht nur zum Verwechseln ähnlich wie der gute Bon, auch generell klingt ihr Debut durchweg als wäre es direkt aus deren Zeit.

Ok, eigentlich ist es schon rotzfrech, wie sich die vier jungen Herren (Band wurde erst 2012 gegründet!) massenhaft an bekannten Riffs ihrer Paten bedienen, diese ein bisschen abändern und anders kombiniert in 11 Stücke verarbeiten. Aber mal ganz ehrlich: tun dies AC/DC nicht schon lange? Egal wie man zu dieser Tatsache steht, eines muss man "Lock n Load" lassen: das Teil rockt! So ziehen "Bullseye", "Stone Heart Rebel" und der Titeltrack schon mal selbst dem ältesten Rocker die Schuhe aus, bevor man spätestens bei "Work hard for the Money" zusätzlich noch aus den Socken gehauen wird. So frisch, unbekümmert und fadengerade haben sogar AC/DC auf einigen ihrer Alben nicht mehr geklungen. Und das Rezept ändert sich auch bei den nachfolgenden Tracks nicht. Einzig das total bluesige "Streefighting Blues" und das rassige, abschliessende "Dynamite" sprengen den üblichen Rhythmusrahmen etwas. Doch auch hier bewegt man sich nach wie vor komplett im Gefilde der frühen AC/DC.


Was soll man nun davon halten? Billige und unnötige Kopie? Berechtigte Unterstellungen. Aber so simpel es klingen mag AC/DC zu kopieren, so vergisst man womöglich, dass gerade darin die Schwierigkeit liegt, es kurz, knackig und prägnant auf den Punkt zu bringen. Und hier haben Dynamite nunmal ganze Arbeit geleistet. Kopie hin, Abklatsch her - "Lock n Load" wird AC/DC-Fans der Spät70er verblüffen und erfreuen und allgemein Sympathisanten von Blues Rock mit Hardrock-Einschlag begeistern. Mehr braucht man zu diesem Album nicht zu sagen. Einfach Disc einlegen, aufdrehen und geniessen.

Punkte: 8 / 10

 Credits: Denomination Records 2013

Sonntag, 1. März 2015

Die gute alte Schule des Hardrock


ECLIPSE

Armageddonize

(Rock, Hardrock, AOR, Heavy Rock)


Irgendwo im scheinbaren Nirgendwo tief im Emmental, Samstagabends genügsam am Tisch sitzend und über die bisher tollen Bands austauschend, geschah das Unerwartete: Nachdem mich bereits am Vorabend das Festival Line-up überzeugen konnte und nun auch bereits die nächsten ansprechenden Bands von der Bühne zogen, stellte ich mich vorerst auf eine Pause ein. Und während ich mir ein Chili con Carne gönnte, legte die nächste Band los. Ich traute zuerst meinen Ohren nicht, als fette Riffs, treibender Beat und glasklarer Gesang aus den Boxen erklang - Hardrock vom Allerfeinsten! Die Folge war, dass ich mein Essen in Rekordzeit herunterschaufelte und mich anschliessend mit brennendem Mund zur Bühne vordrängte.

Das war meine erste Begegnung mit Eclipse aus Schweden, einer Band, die ich bis dato in keinster Weise wahrgenommen hatte. Und obwohl sie bereits vier Alben auf ihrem Konto haben, fanden die ersten beiden wenig Anklang. Erst das dritte Album "Are you Ready to Rock" sorgte für Aufsehen und der Nachfolger "Bleed and Scream" wurde mancherorts sogar zum Hardrock-Album des Jahres 2012 gekürt. Und mit "Armageddonize" legen die Herren nun ihr fünftes Werk vor und möchten natürlich dort anknüpfen, wo sie mit ihrem Vorgänger aufgehört hatten. Und eines kann man vornweg sagen: sie knüpfen nicht nur an, sie legen noch eines drauf!

Ganz ehrlich, es fällt mir in der Tat schwer, zu diesem Album etwas zu schreiben, ohne nicht in Schwärmerei zu geraten. Sowas hat es in der Richtung melodischer Hardrock / Heavy Rock seit Jahren nicht mehr gegeben. Entweder war es schlicht zu seicht, zu eintönig, zu herzlos oder es war Grunge-verseucht. Aber Hardrock der Marke Whitesnake, Bon Jovi oder Gotthard gab es erst mit einer neuen Welle aus Schweden wieder. Und ähnlich wie ihre Landsmänner H.e.a.t, die bereits beachtlich am abräumen sind, setzen Eclipse voll auf das Rezept Hardrock der alten Schule, der häufig mit dem Hair/Glam Metal aus den 80ern in Verbindung gebracht wird.

So erhält man ohne Vorwarnung bereits mit dem Opener "I don't wanna say I'm sorry" die volle Bedienung: Fräsende Riffs, ein Drummer, der alles aus einem simplen Rockbeat herausholt und perfekt mit dem Bassist harmoniert und ein Sänger, den sich so viele gerne in der eigenen Band wünschen würden. Nein, originell ist die Mucke von Eclipse natürlich nicht. Aber wer so geile Riffs gekonnt mit Melodien verbindet, die einem sofort ins Ohr gehen und die man auf Anhieb mitsingen kann, der hat in der Sparte schon mal alles richtig gemacht und hat die Trophäe auf sicher. Und spätestens beim zweiten Track, der Singleauskoppelung "Stand on your Feet", bleibt einem schlicht die Spucke weg - das ist einfach nur noch Melodic Hardrock in Vollendung, Punkt.



Es macht wenig Sinn, die restlichen Stücke zu beschreiben, da es neben ganz wenigen, leicht balladesk angehauchten Momenten einfach nur einen Grundtenor gibt, nämlich pure freakin' Hardrock. Man merkt Sänger / Gitarrist Erik Martensson und Gitarrist Magnus Henriksson ihre Routine nicht nur an ihrem Handwerk, sondern vor allem am Songwriting an. Nicht zuletzt haben sie erfolgreich bei Bands und Projekten wie W.E.T., Giant oder Adrenaline Rush engagiert mitgeschrieben und -gewirkt.

Man kann es drehen und wenden wie man will, aber auf "Armageddonize" sucht man vergebens nach einem Schwachpunkt. Jeder Song ist ein unwiderstehlicher Volltreffer, eingebettet in einer druckvollen Produktion. 11 mal stellen die Schweden klar, warum ihr Vorgängeralbum nicht umsonst als Hardrock-Album des Jahres gehandelt wurde. Und auch wenn das Jahr noch jung ist, kann man eines getrost sagen: Wer diesem Album das Wasser reichen will, der muss sich äusserst gut anstellen. Ich gehe sogar soweit zu behaupten, dass sich "Armageddonize" bedenkenlos mit Genre-Klassikern aus den glorreichen 80ern messen kann - und das will was heissen...

Fazit: Liebhaber von klassischem Hardrock mit Hair/Glam Metal Attributen können getrost blind zugreifen, alle anderen sollten mal ein Ohr riskieren.

Punkte: 10 / 10

Credits: Frontier Records 2015

Mittwoch, 18. Februar 2015

Die Welt mit anderen Augen sehen


METALHEAD

(Originaltitel: Málmhaus; Island 2013)



Genre: Drama
Regie: Ragnar Bragason
Darsteller: Þorbjörg Helga Dýrfjörð, Ingvar E.Sigurðsson, Halldóra Geirharðsdóttir
Musik: Petur Thor Benediktsson
Laufzeit: 97 Min.
Altersfreigabe: 16
Themen: 
Trauma, Trauer, Wut, Rebellion, Selbstfindung, Vergebung / Versöhnung, Bestimmung 


Hin und wieder gibt es sie: Filme, die einem aus der Seele reden. "Metalhead" mag auf den ersten Blick nicht in diese Sparte gehören und scheint nur Liebhaber der harten Rockmusik und der Subkultur des Heavy Metal anzusprechen. Womöglich trifft dies primär auch zu, doch ein genaueres Hinschauen entfaltet sich als Filmjuwel, welches nicht bloss eine Ode an eine weitgehend unbeachtete Musikrichtung und verschmähte Subkultur ist, sondern mit viel Feingefühl und Glaubwürdigkeit das Leben einer zerschundenen Seele schildert.

Zum Plot:  
Es ist das Jahr 1970 und als Black Sabbath ihr erstes Album aufnehmen, wird in einem tristen Dorf im isländischen Nirgendwo die kleine Hera geboren (Thorbjörg Helga Thorgilsdóttir). Als Zwölfjährige muss sie mit ansehen, wie ihr großer Bruder durch einen tragischen Unfall aus dem Leben gerissen wird. Von dem traumatischen Erlebnis schockiert, übernimmt sie seine Persona samt Lederjacke, Motörhead-Shirt und E-Gitarre. Ihre ganze Jugend trägt sie fortan nur noch seine Klamotten, hört und spielt seine Musik. Trauer und Wut werden mit Songs von bekannten Metalbands und mit eigenen Heavy-Metal-Riffs ausgedrückt. Auch nach der Schulzeit fühlt sie sich von allen missverstanden - auch von ihren Eltern. Diese versuchen durch den Kirchenchor wieder ein wenig am Leben teilzunehmen. Gerade als Heras Rebellion immer destruktivere Ausmaße annimmt, zieht ein junger Priester in den Ort. Das Schicksal scheint sich zu wenden und Hera erkennt, dass sie nicht ihr ganzes Leben lang weglaufen kann... (Allgemeiner Filmbeschrieb)


Wer jetzt meint, dass einem damit ein rührseliger, in typischer Hollywood-Manier x-fältig wiederholter und künstlich aufgeblasener Stoff serviert wird, der wird enttäuscht. Der isländische Regisseur Ragnar Bragason, selbst grosser Heavy Metal Fan, schrieb auch gleich das Drehbuch zu dieser Independent-Produktion. Und das Resultat ist beeindruckend. Nicht nur, dass es ihm gelingt, in seinem Coming-of-Age-Film eine überzeugende Hauptdarstellerin in Szene zu setzen, sondern es versteht, die Dramaturgie durch die Weite isländischer Kulisse und der damit verbundenen Rauheit und Einfachheit der Lebensbedingungen und -umstände perfekt einzufangen.

Im Gegensatz zu vielen Mainstream-Produktionen, wo man gerne bestimmte Szenen ausbaut und nicht selten in die Länge zieht, um beim Zuschauer gezielt eine gewisse Wirkung zu erlangen, wirkt bei "Metalhead" anfangs vieles kurz und abrupt. Manchmal erweckt es sogar den Eindruck, als wäre der Film ein Abspulen von Episoden. Doch gerade darin liegt die Faszination, weil erst gegen Schluss alles in ein Gesamtbild zusammenläuft, welches nicht mit einem fertigen Ende aufwartet, wohl aber die vereinzelten Lebensabschnitte von Hera in einem klareren Licht erstrahlen lassen. So verfallen Aussagen wie:
"Es sind die Dinge, von denen wir wegrennen, die uns am meisten schmerzen"
"Es heisst, dass die Zeit Wunden heilt. Aber das ist nur dummes Zeug"
"Die Trauer frisst unser Leben auf"
"Gott gibt es auch in der Finsternis" 

nicht einfach nur zu blanken Zitaten, sondern graben sich mit ihren Bildern tief in die Emotionsebenen ein und hinterlassen eine nachhaltige Wirkung - man fühlt mit, man trauert mit und man beginnt zu verstehen. Und statt dabei den Zuschauer ständig mit Musik zu berieseln oder gar zu torpedieren, zeichnet Ragnar Bragason ein hervorragendes Psychogramm einer verwundeten Person, welche ihren Schock, ihre Trauer und ihre Wut in der Härte und Ehrlichkeit des Heavy Metal verarbeitet.

Wer, wie ich, als Heavy Metal-Fan aufgewachsen ist, wird "Metalhead" lieben und muss sich nicht wundern, sich selbst in der einen oder anderen Szene zu begegnen. Wer hingegen dieser Musik und deren Kultur wenig oder nichts abgewinnen kann, der sollte sich dennoch nicht abschrecken lassen und dem Film eine Chance geben, denn ein überzeugenderes Bild eines Metalheads hätte Ragnar Bragason kaum kreieren können.

Eines jedenfalls steht fest: "Metalhead" ist schon jetzt Kultkino und ein kleines Meisterwerk, welches den Genreverwandten Grossproduktionen aus Hollywood problemlos das Wasser reichen kann.

Punkte: 10 / 10