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Sonntag, 1. März 2015

Die gute alte Schule des Hardrock


ECLIPSE

Armageddonize

(Rock, Hardrock, AOR, Heavy Rock)


Irgendwo im scheinbaren Nirgendwo tief im Emmental, Samstagabends genügsam am Tisch sitzend und über die bisher tollen Bands austauschend, geschah das Unerwartete: Nachdem mich bereits am Vorabend das Festival Line-up überzeugen konnte und nun auch bereits die nächsten ansprechenden Bands von der Bühne zogen, stellte ich mich vorerst auf eine Pause ein. Und während ich mir ein Chili con Carne gönnte, legte die nächste Band los. Ich traute zuerst meinen Ohren nicht, als fette Riffs, treibender Beat und glasklarer Gesang aus den Boxen erklang - Hardrock vom Allerfeinsten! Die Folge war, dass ich mein Essen in Rekordzeit herunterschaufelte und mich anschliessend mit brennendem Mund zur Bühne vordrängte.

Das war meine erste Begegnung mit Eclipse aus Schweden, einer Band, die ich bis dato in keinster Weise wahrgenommen hatte. Und obwohl sie bereits vier Alben auf ihrem Konto haben, fanden die ersten beiden wenig Anklang. Erst das dritte Album "Are you Ready to Rock" sorgte für Aufsehen und der Nachfolger "Bleed and Scream" wurde mancherorts sogar zum Hardrock-Album des Jahres 2012 gekürt. Und mit "Armageddonize" legen die Herren nun ihr fünftes Werk vor und möchten natürlich dort anknüpfen, wo sie mit ihrem Vorgänger aufgehört hatten. Und eines kann man vornweg sagen: sie knüpfen nicht nur an, sie legen noch eines drauf!

Ganz ehrlich, es fällt mir in der Tat schwer, zu diesem Album etwas zu schreiben, ohne nicht in Schwärmerei zu geraten. Sowas hat es in der Richtung melodischer Hardrock / Heavy Rock seit Jahren nicht mehr gegeben. Entweder war es schlicht zu seicht, zu eintönig, zu herzlos oder es war Grunge-verseucht. Aber Hardrock der Marke Whitesnake, Bon Jovi oder Gotthard gab es erst mit einer neuen Welle aus Schweden wieder. Und ähnlich wie ihre Landsmänner H.e.a.t, die bereits beachtlich am abräumen sind, setzen Eclipse voll auf das Rezept Hardrock der alten Schule, der häufig mit dem Hair/Glam Metal aus den 80ern in Verbindung gebracht wird.

So erhält man ohne Vorwarnung bereits mit dem Opener "I don't wanna say I'm sorry" die volle Bedienung: Fräsende Riffs, ein Drummer, der alles aus einem simplen Rockbeat herausholt und perfekt mit dem Bassist harmoniert und ein Sänger, den sich so viele gerne in der eigenen Band wünschen würden. Nein, originell ist die Mucke von Eclipse natürlich nicht. Aber wer so geile Riffs gekonnt mit Melodien verbindet, die einem sofort ins Ohr gehen und die man auf Anhieb mitsingen kann, der hat in der Sparte schon mal alles richtig gemacht und hat die Trophäe auf sicher. Und spätestens beim zweiten Track, der Singleauskoppelung "Stand on your Feet", bleibt einem schlicht die Spucke weg - das ist einfach nur noch Melodic Hardrock in Vollendung, Punkt.



Es macht wenig Sinn, die restlichen Stücke zu beschreiben, da es neben ganz wenigen, leicht balladesk angehauchten Momenten einfach nur einen Grundtenor gibt, nämlich pure freakin' Hardrock. Man merkt Sänger / Gitarrist Erik Martensson und Gitarrist Magnus Henriksson ihre Routine nicht nur an ihrem Handwerk, sondern vor allem am Songwriting an. Nicht zuletzt haben sie erfolgreich bei Bands und Projekten wie W.E.T., Giant oder Adrenaline Rush engagiert mitgeschrieben und -gewirkt.

Man kann es drehen und wenden wie man will, aber auf "Armageddonize" sucht man vergebens nach einem Schwachpunkt. Jeder Song ist ein unwiderstehlicher Volltreffer, eingebettet in einer druckvollen Produktion. 11 mal stellen die Schweden klar, warum ihr Vorgängeralbum nicht umsonst als Hardrock-Album des Jahres gehandelt wurde. Und auch wenn das Jahr noch jung ist, kann man eines getrost sagen: Wer diesem Album das Wasser reichen will, der muss sich äusserst gut anstellen. Ich gehe sogar soweit zu behaupten, dass sich "Armageddonize" bedenkenlos mit Genre-Klassikern aus den glorreichen 80ern messen kann - und das will was heissen...

Fazit: Liebhaber von klassischem Hardrock mit Hair/Glam Metal Attributen können getrost blind zugreifen, alle anderen sollten mal ein Ohr riskieren.

Punkte: 10 / 10

Credits: Frontier Records 2015

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