Aus einer Sammlung von: - Aktuelle, sowie vergessene musikalische Perlen aus der Welt des Rock und Heavy Metal - Lohnenswerte Filme - Gedanken aus aktuellem Anlass
Es gibt sie immer wieder: Die Top-Listen der Besten. Und sie sind immer gefärbt vom Zielpublikum und von der Quelle, aus der die Umfrage ausgegangen ist. Auch diese hier. Denn diese Liste ist persönlich und erhebt deshalb in keinster Weise objektiv zu sein. Wenn hier also Top-Gitarristen aufgelistet sind, so hat das Ranking primär nichts mit der Spielgeschwindigkeit, der Innovation oder des Einflusses auf andere zu tun. Es bleibt schlicht Geschmacksache. Nun denn, hier ist meine persönliche Top 10:
10. Steve Stevens
Er war derjenige, der die einprägsame Solomelodie zum "Top Gun"-Soundtrack beisteuerte und massgeblich für die grossen Hits von Billy Idol verantwortlich ist. Seine wahre Grösse offenbart sich vor allem dann, wenn Songs auf die akustische Ebene hinunter gebrochen werden und diese mitunter dann sogar noch das Original übertreffen.
9. Dave Bainbridge
Als Multiinstrumentalist spielt er sein Talent vor allem in seinen Kompositionen aus. Mit der Celtic Rock Band Iona hat er nicht nur ein beachtliches Albumvermächtnis vorzuweisen, sondern verblüfft immer wieder auch durch seine spontanen Sessions, u.a. mit dem mittlerweile bei Nightwish mitwirkenden Dudelsackspieler Troy Donockley. Unscheinbares, musikalisches Juwel.
8. Tommy Johansson
Mittlerweile als Gitarrist bei Sabaton bekannt, machte der junge Schwede vor allem mit seinem Projekt "ReinXeed" auf sich aufmerksam, wo er sich nicht nur als begnadeter Gitarrist erwies, sondern vor allem auch als beachtlicher Songwriter von sich Reden machte. Seine neoklassischen Einflüsse nach malmsteenischem Vorbild sind klar herauszuhören und sein Gespür, sowohl Drive als auch einprägsame Melodien zu erschaffen, machen ihn zu einem Gitarristen mit unwiderstehlichem Charakter.
7. Filip Kolus
Viel Talent, wenig Bekanntheitsgrad – so lässt sich dieser Mann in einfachen Worten zusammenfassen. Als Gitarrist der Slowaken Signum Regis verleiht er dieser ebenso zu wenig beachteten Melodic Metal Band das Gitarrengewitter, das nebst rasanten Riffs und einem gekonnten Flair für Klassik vor allem viel Spielfreude und Groove besitzt. Verborgener Held.
6. Tommy Vetterli
Genauso übersehen wie die Band, in der er spielt: Tommy Vetterli aka Tommy T. Baron ist als Gitarrist des Trios Coroner eine echte Offenbarung. Klassische, wie auch jazzige Einflüsse flitzen in Pfeilschnelle und dennoch präzise wie ein Schweizer Uhrwerk durch die Gehörgänge – egal, ob rasende oder stampfende Riffs oder filigrane Solos. King of Technical Thrash.
5. Wolf Hoffmann
Er ist der Soundschmied der wohl grössten Heavy Metal Band Deutschlands. Wolf Hoffmann von Accept ist nicht nur ein Riffmaster par excellence, vielmehr auch ein erstklassiger Solokünstler, wo vor allem auch seine klassischen Einflüsse unverkennbar immer wieder durchschimmern. Ein Ass seiner Klasse.
4. Michael Romeo
Die Prog-Metal-Ecke ist übersät mit talentierten Musiker, doch keiner hat diesen wiedererkennbaren Riff-Groove, vermischt mit Neoklassik wie Michael Romeo. Im Gegensatz zu Hochgeschwindigkeitsshreddern wie Malmsteen oder Impellitteri, dominiert bei Romeo immer wieder die Melodie. Atemberaubend.
3. Malcolm Young
Redet man von AC/DC, redet man meistens von Angus Young. Doch die wahre treibende Kraft hinter diesem simplen und unverkennbaren bluesigen Trademark-Rock-Sound entspringt seinem Bruder Malcolm. Auf seinen unwiderstehlichen Riffs baut sich der ganze Zauber der Stromjungs auf, der oft kopiert, aber nie erreicht wurde. Das spricht für sich. Einer der grossartigsten Rhythmusgitarristen aller Zeiten.
2. Brian Setzer
Er hat den Neo-Rockabilly mit seiner Band "Stray Cats" ins Rollen gebracht und veröffentlichte seither schier unzählige Soloscheiben. Ein begnadeter Rock'n'Roll-Gitarrist mitsamt allen Ecken und Kanten – ungebügelt, frech und fadengerade. Unverwüstlich.
1. Dave Murray
Steve Harris sagt von ihm, dass er der beste Gitarrist sei, mit dem er je zusammengearbeitet hat. Tatsächlich ist Dave neben Steve das einzig verbliebene Mitglied der Originalbesetzung von Iron Maiden. Dave ist zwar nicht gerade der fleissigste Songwriter und wirkt nach aussen tendenziell zurückhaltend und ruhig. Aber sein Gespür für markante Harmonien, schnelle und dennoch wiedererkennbare Solos sowie das Zusammenspiel mit seinem Jugendgefährten Adrian Smith, vollendet erst die Soundvision von Steve Harris und macht sie somit zum Warenzeichen einer der grössten Rockbands aller Zeiten. Ein unscheinbarer, bescheidener und dennoch technisch brillanter Held auf den sechs Saiten. Unantastbare Nummer 1.
Als Newcomer von Nightwish während ihrer Imaginaerum-Tour und als Gewinner von Wackens Metal-Battle, waren sie mit ihrem Debut "Steel" die Senkrechtstarter in einer vorwiegend von härteren Klängen dominierten Szene. Und mit ihrem selbstbetitelten zweiten Werk und der neuen Sängerin Noora Louhimo spielten sich die sechs Finnen endgültig mitten ins Herz der Stahlgemeinde. Mit ihrem durch und durch von 80's geprägtem Sound-Feeling, gepaart mit moderner Produktion, brachten sie Kritiker sowie gestandene Metalfans regelrecht ins Schwärmen. Und auch live avancierten die Youngsters zum Abräumer, auch wenn lediglich als Support-Act. Es folgte der heiss erwartete Nachfolger "Unholy Savior" und der anschliessende, überraschende Ausstieg von Mitbegründer und Hauptsongwriter Anton Kabanen. Das Album selbst spaltete aufgrund der streckenweise etwas zu poppigen Ausrichtung die Gemüter, auch wenn es in Finnland den Erfolg des Vorgängers im Handumdrehen hinter sich liess.
Mit "Bringer of Pain" knüpfen Battle Beast nahtlos an ihrem kommerziellen Erfolg an. Die Fragen bleiben diesbezüglich, welchen musikalischen Weg die Finnen dabei einschlagen und wie sie den Weggang von ihrem bisherigen Songlieferanten verkraften würden. Tatsache ist, dass die Band auch ohne Kabanen nach wie vor nach Battle Beast klingt und den etwas durchzogenen Vorgänger "Unholy Savior" streckenweise um Längen übertrifft. Ja, leider nur streckenweise. Denn auch auf "Bringer of Pain" haben sich unnötige Füller eingeschlichen, die nur schwer zu verdauen sind: Während auf dem Vorgänger mit 'Touch in the Night' eine Art 80's-Pop-Hommage noch seinen Charme hatte und sich kohärent ins Album einfügen liess, kann man 'Dancing with the Beast' nur noch als peinliche Bruchlandung bezeichnen. Auch die Ballade 'Far from Heaven' ist weit davon entfernt, um überhaupt auf einem Rock-, geschweige denn auf einem Metal-Album zu bestehen. Und die Nightwish-Plagiate 'Beyond the Burning Skies' und 'Lost in Wars' stehen Battle Beast schlichtweg nicht, auch wenn Noora in allen Stimmlagen eine tadellose, ja geradezu brillante Figur macht. Auf der anderen Seite aber verfügt "Bringer of Pain" über bemerkenswertes Hitpotential, das klarstellt, dass der Ofen noch lange nicht aus ist. Und dabei spielt es keine Rolle, ob es die Airplay-tauglichen 'King for a Day' oder 'Familiar Hell' sind, die Nackenmuskeln bei Krachern wie beim Titeltrack oder 'Bastard Son of Odin' beansprucht werden, oder sich die hymnenhaften 'Straight to your Heart', 'God of War' oder 'The Eclipse' in die Gehörgänge spielen.
Der kommerzielle Erfolg gibt Battle Beast recht, doch das dürfte weniger am Songmaterial per se liegen, vielmehr an Noora Louhimo. Was diese Frau an stimmlicher Versiertheit, an Leidenschaft, unbändiger Energie und gleichzeitigem Feingespür an den Tag legt, sucht seinesgleichen. Und es ist nicht anmassend, sie in einem Atemzug mit Grössen wie die Metal-Queens Doro Pesch oder Lee Aaron zu nennen. Schaffen es Battle Beast für die künftigen Scheiben, sich von bewährten Kommerzklischees zu lösen, dann dürfte der Weg in die Metal-Oberklasse geebnet sein.
1986, welch ein Jahrgang für den Heavy Metal: Im Thrash-Sektor erreicht man mit "Master of Puppets", "Peace sells …", "Reign in Blood" oder "Pleasure to Kill" ausgereifte Spitzenwerke, während "The Final Countdown" oder "Slippery when wet" die kommerzielle Flut des Glam / Hair Metal so richtig auslösen. Daneben veröffentlichen gestandene Traditionalisten wie Judas Priest, Accept oder Iron Maiden ihre Werke – darunter sogar unsterbliches Klassikermaterial wie "Somewhere in Time". Aber auch unbekannte Bands veröffentlichen Debut-Alben, die noch heute seinesgleichen suchen. Einige davon sind z.B. der gleichnamige Erstling von Crimson Glory, Swords "Metalized", "Doomsday for the Deceiver" von Flotsam and Jetsam oder "Epicus, Doomicus, Metallicus" der Doomster von Candlemass.
Oder eben das gleichnamige Debut von Fifth Angel. Ein Album, das bei dessen Veröffentlichung wie ein Chamäleon wirkt, weil es nicht wirklich in die eine oder andere Schublade passt. Für Hair Metal ist das Werk zu kantig und zu heavy, aber dann auf der anderen Seite wiederum zu seicht, um sich im rauen U.S. Power Metal durchzusetzen. Ein stilistisches Wagnis, das schliesslich lediglich nur noch ein zweites Album und die anschliessende Bandauflösung zur Folge hat. Unbegreiflich, wenn man sich heute, 30 Jahre später, dieses Werk anhört: Jede Melodic-Metal-Band würde ihr Leben dafür geben, heute ein Album von solch schöpferischer Qualität herauszuhauen!
Angefangen bei der auffälligen, von grossartigen Riffs getragenen Gitarrenarbeit, über den stimmsicheren und versierten Sänger, der glasklaren und druckvollen Produktion bis hin zur abwechslungsreichen Songauswahl – hier passt einfach alles. Auch wenn mittlerweile anderswo auf ähnliche Weise bereits gehört, spielen Fifth Angel ihre Songs mit unbändiger Energie und spürbarer Leidenschaft – egal, ob der flotte Opener 'In the Fallout', das stampfend-hymnenhafte 'Shout it out', die speedigen 'Call out the Warning' und 'The Night' oder das balladeske 'Wings of Destiny'. Aber die ganz grossen Asse spielen die Mannen aus Washington mit den Midtempo-Krachern 'Fifth Angel', 'Only the Strong survive' und dem göttlichen 'Cry out the Fools' aus.
Summa summarum nichts wirklich Neues. Aber rückblickend auf die damalige Zeit und wie vergleichsweise frisch und unverbraucht dieses Werk heute klingt, muss man gestehen, dass Fifth Angel 1986 einfach der Zeit voraus waren und die Weichen für den künftigen Melodic Metal bereits damals gestellt haben. Welch Ironie, wenn man bedenkt, wie ihr Nachfolgewerk ausgerechnet mit ihrem Titel dies bereits voraussagte: "Time will tell". Aber das ist dann wiederum eine eigene Geschichte …
Es ist das Jahr 2016 und die Kultband Fates Warning treten zum 30-jährigen Jubiläum ihres Magnum Opus "Awaken the Guardian" am Keep-it-True-Festival in dessen Originalbesetzung auf und spielen das Album in voller Länge, angereichert mit ein paar Songs aus den beiden Vorgängeralben. Wer "Awaken the Guardian" kennt, der weiss genau, welchen Stellenwert dieses Album innerhalb der Metal-Szene besitzt und was es folglich heisst, dieses 30 Jahre später exklusiv live zu erleben. Wer es hingegen nicht kennt, darf sich gerne eingeladen fühlen, sich dieses besondere Werk nachträglich zu Gemüte zu führen.
"Awaken the Guardian" ist nach dem beachtlichen Debut "Night of the Bröken" (auf dem man noch sehr auffällig und streckenweise etwas zu krampfhaft nach Iron Maiden klingt) und dem grossartigen Nachfolger "The Spectre within", das Resultat einer eigenwilligen Soundentwicklung und -evolution. Getragen von zweistimmigen Gitarrenriffs und -harmonien, markantem Gesang, leicht orientalischen Einflüssen und progressiven Songstrukturen heben die fünf Amis ein Werk aus der Taufe, das zu einem der bedeutendsten Alben des künftigen Progressive Metal gehören sollte.
Manch einem mag John Archs hohe und anfangs schief empfundene Stimmlage fremd klingen und dies könnte möglicherweise davon abschrecken, sich dem Soundvergnügen hinzugeben. Doch wer diese Hürde einmal hinter sich gebracht hat, der wird sich einem Sound ergeben müssen, der sich das Prädikat "Perfekt" aufgrund der filigran ausgearbeiteten Strukturen und Harmonien in jedem einzelnen Song regelrecht verdient. Keine klassischen Kompositionen der Marke Vers-Refrain-Vers-Refrain-Solo-Refrain, vielmehr entwickeln Songs wie 'Valley of the Dolls', 'Fata Morgana', 'Guardian' oder 'Exodus' durch Tempowechsel und geradezu lyrischer Schöpfung ein etwas anspruchsvolleres Klangerlebnis unvergleichlicher Schönheit und Sounddichte, das "Awaken the Guardian" zurecht zu einem Klassiker des U.S. Metal erhebt und zu einem Prog-Metal-Meilenstein macht.
Wer auch nur ansatzweise etwas für Metal der melodischen Sorte übrig hat, progressivem Touch nicht abgeneigt ist und dem Album zwei, drei Durchläufe gönnt, der wird dieses Werk nicht so schnell wieder weglegen wollen. Traumhaft!
Eine Geschichte über Träume, Kulturkonflikte und laute Musik
Lange war es still auf dieser Blogseite. Die Reviews wurden rar, thematische Einträge verschwanden praktisch ausnahmslos. Das hatte seinen Grund: Die auf dieser Seite veröffentlichten, autobiografischen Teil-Einträge "Meine Geschichte mit der Rockmusik" sprengten den Rahmen und wurden unterdessen zu einer umfangreichen Buchgeschichte verfasst.
Mein Recht zu rocken ist somit das Resultat eines knapp fünfjährigen Prozesses der Selbstreflektion und der persönlichen Verarbeitung geworden.
Die Teil-Einträge wurden mittlerweile vom Blog entfernt, dafür gibt es nun die ganze Geschichte mitsamt allen Hintergründen und Details im Buchhandel zu erwerben – und zwar als Buch und/oder E-Book. Für Rezensenten bietet der Verlag sogar ein kostenloses Exemplar an.
Wenn es um harte Rockmusik geht, hat die global schier unscheinbare Schweiz immer wieder ein prägendes Wörtchen mitgeredet. Neben den grossen Krokus und Gotthard, stechen insbesondere Celtic Frost und Coroner als stilprägende Grössen im Bereich des Death und Black Metal bzw. des Technical Thrash Metal heraus. Und im Bereich des klassischen Heavy Metal? Weitgehend Ödland. Doch das dürfte sich bald ändern.
Seit bereits über zwanzig Jahren schmieden Emerald um die beiden Vaucher-Brüder unbeirrt am Schwermetall in der Tradition der unüberhörbaren Vorbilder Iron Maiden und dem US-amerikanisch geprägten Power Metal. Weit unter ihrem Wert verkauft, konnten die Düdinger vor allem mit den drei letzten Alben die Kritiker überzeugen und machten sich zudem als gefeierte Live-Band im Untergrund einen Namen. Und nach fünf Jahren der Stille meldet sich die Truppe mit ihrem neuen Silberling zurück – und der knallt gewaltig!
Hinterliess der Abgang des heutigen Gloryhammer-Sängers Thomas Winkler eine grosse Lücke, so wird diese mit Mace Mitchell würdig ausgefüllt. Und auch der neue Gitarrist Julien Menth harmoniert perfekt mit Axtbruder Michael Vaucher, während Bassistin Vania Truttmann und Knüppelmann Al Spicher einen ordentlichen Rhythmusteppich auslegen.
Songtechnisch präsentieren sich die True Metaller auf dem bisherigen Höhepunkt ihres Schaffens. Die Songs sind nicht nur knackig und dynamisch produziert, sondern auch ausgeklügelter, vielseitiger und vor allem sattelfest und strotzen quer durch das gesamte Album nur so von Energie und Frische, als hätte man in der glorreichen Ära der 80er gelebt und komponiert. Zwischen dem Opener "Only the Reaper wins" und "Ridden by Fear" spielt eine motivierte Band alle Asse aus, die man auf einem guten Metal-Album der Alten Schule erwarten darf und von der Abrissbirne ("Evolution in Reverse") bis hin zur Ballade ("Beyond Forever") praktisch keine Wünsche offen lässt. Dann aber folgt im zweiten Teil des Albums die musikalische Umsetzung der Burgunder Kriege, basierend auf dem historischen Roman "Der Löwe von Burgund" von Keyboarder Thomas Vaucher: und hier offenbaren Emerald ihre vielseitige, spielerische Klasse und driften streckenweise sogar bis ins Avantasia-Gefilde ab; einfach um einiges rauer. "Reign of Steel" sei an dieser Stelle als unbestreitbarer Höhepunkt erwähnt – ein songwriterisches Meisterstück!
Was am Ende bleibt, ist die Tatsache, dass die Schweiz mit Emerald eine Band in ihren musikalischen Reihen hat, die von solcher Qualität in ihrem Genre einzigartig ist: Was Celtic Frost für den Death / Black Metal, Coroner für den Thrash Metal und Eluveitie für den Folk / Pagan Metal bedeutet, ist Emerald für den klassischen Heavy Metal. Aber de sicher scho!
Anspieltipps: Ridden by Fear, Evolution in Reverse, Reign of Steel
Wer sich der harten Rockmusik verschrieben hat, der tat dies in den meisten Fällen auch aus folgendem Grund: Authentizität. Also etwas, was Heavy Metal seit Jahrzehnten am Leben erhalten hat und wie damals, als man damit harsch und unsteril diametral zur populären Musikszene stand, sich auch heute komplett gegen den Strom der computerdominierten und überdigitalisierten Klänge bewegt. Spätestens bei der Feuerprobe auf der Bühne stellt sich jeweils heraus, was von der Vision des Künstlers bzw. der Band den Flammen der Echtheit standhält: entweder man hat's tatsächlich drauf, macht Playback oder man fällt als Live-Act durch.
Signum Regis aus der Slowakei sind nun bereits seit zehn Jahren im Geschäft und haben sich von Anfang an diese Authentizität auf den Leib geschrieben. Da sind Musiker am Werk, die um ihre Fähigkeiten wissen, Leute, die ständig darum bemüht sind, sich weiterzuentwickeln und Mannen, die aber genug Grips haben, nur dasjenige zu produzieren, was sie auch wirklich live beherrschen.
"Decennium Primum" ist somit nicht einfach nur ein Jubiläumsalbum zum 10-jährigen Bandbestehen. Es ist ein Album, das eindrücklich zeigt, aus welchem Holz diese weit unter ihrem Wert verkaufte Band geschnitzt ist. Komplett in Eigenregie entstanden – das heisst: von Instrumenten und Equipment, über Studio, Aufnahmen und Mastering, bis hin zum Booklet – fasst dieses zuerst als EP geplante Werk mit 10 Songs während 46:30 Minuten die musikalische Essenz aller bisher veröffentlichen Alben ein. Und damit meine ich, dass "Decennium Primum" nicht primär die musikalische Fortsetzung der grossartigen "Through the Storm" oder "Chapter IV" ist. Denn während in der Vergangenheit jedes Album seine spezielle und eigene Ausrichtung hatte, so kriegt man beim vorliegenden Album eine beachtliche Mischung aller Alben zusammen in einem druckvollen Soundgewand verpackt serviert.
Will heissen, dass sich der Kenner besonders freuen darf, wenn er zum Beispiel bei "Train to Neverland" an das Debutalbum von 2008 erinnert werden wird. Oder sich bei "Well Deserved" im zweiten Silberling wähnt, während "Unfold the Mystery" genauso gut aus dem "Exodus"-Album stammen könnte. Aber das sei höchstens als nostalgische Note vermerkt, denn die restlichen Songs knallen genau so, wie man es von Signum Regis erwartet: "Damnatio Ad Bestias" und "Future King" rocken in typischer 80's-Manier mit Hardrock-Anleihen durch die Boxen und "Psalm of Life" erinnert daran, dass das Prog-Element nach wie vor ein Bestandteil des Soundkonzepts von Signum Regis ist. Und während die beiden Kracher "Screaming for Justice" und "Thunder and Rain" die Anlage auf ihre Pegelfestigkeit prüfen werden, zeigen die Herren mit "Kingdom of Light" eindrücklich, wie eine Metal-Ballade zu klingen hat, ohne dabei unnötig kitschig werden zu müssen – so muss das!
Somit haben Signum Regis mit "Decennium Primum" zum wiederholten Mal einen Volltreffer gelandet. Ganz egal, ob Fan der ersten Stunde, Bewunderer des letzten Albums oder generell Liebhaber von versiertem und niveauvollem Melodic Metal. Wer das Gehörte zudem auf Authentizität prüfen möchte, der darf sich gerne an einer Live-Vorführung der Band überzeugen lassen.
Zum 10. Bandjubiläum gibt’s von mir 10 Punkte – well done, well deserved!