Aus einer Sammlung von:
- Aktuelle, sowie vergessene musikalische Perlen aus der Welt des Rock und Heavy Metal
- Lohnenswerte Filme
- Gedanken aus aktuellem Anlass

Donnerstag, 3. März 2016

Melodic Metal in Vollendung



[Im WebZine Whiskey-Soda veröffentlicht]


INNERWISH

Innerwish

(Metal, Melodic Metal)


1995 gegründet und 1998 mit dem ersten Album auf dem Konto, gehören die Griechen Innerwish zu den Mitgestaltern der zweiten Metalwelle, die durch das legendäre "Glory to the Brave"-Album von Hammerfall ausgelöst wurde. Allerdings dauerte es ein paar Jahre, bis man durch die beiden Nachfolgeralben "Silent Faces" (2004) und "Inner Strength" (2006) doch noch auf diese eher im Underground agierende Band aufmerksam wurde. Aber spätestens seit ihrem letzten Album "No Turning Back" ist Innerwish ein Begriff für Freunde von Bands der Marke Hammerfall, Primal Fear, Brainstorm oder Iced Earth geworden. Seither sind nahezu sechs Jahre vergangen, in denen die Band vor allem auch die Trennung von Sänger Babis Alexandropoulos, der sich ganz auf seine Karriere als klassischer Tenor ausrichten wollte, verarbeiten musste. Dennoch fokussierte sich die Band unbeirrt aufs Songwriting fürs neue Album, obwohl der neue Sänger erst später während dem Schreibprozess in George Eikosipentakis gefunden wurde. Das Resultat liegt nun mit dem fünften, schlicht selbstbetitelten Album vor.

Was nach der ersten, umgehend die Haare nach hinten pustende Gitarrensalve, sofort auffällt, ist der neue Mann am Mikro: Bedeutete Babis Alexandropoulos ein schmerzhafter Verlust, so stellt George Eikosipentakis mit seiner noch versierteren Stimme klar, dass er ein absoluter Glücksgriff ist. Dieser Mann, der vor allem in den tieferen und raueren Tonlagen des Öfteren an den unvergleichlichen Russell Allen von Symphony X erinnert, verleiht dem ohnehin schon gewohnt herausragenden Sound von Innerwish den ultimativen Qualitätsschliff. Doch damit noch lange nicht genug. Denn was die sechs Hellenen hier mit ihrem Album vorlegen, ist im wahrsten Sinn des Wortes monumental! 13 Songs bei einer Spielzeit von 67 Minuten sind zwar alles andere als Fastfood-Kost, doch wenn man qualitativ dermassen königlich verpflegt wird, geniesst man jeden Augenblick davon in vollen Zügen, um dann nach einer gehörigen Verdauungspause wieder von Vorne zu beginnen.


So werden die Nackenmuskeln mit dem Opener 'Roll the Dice' schon mal gehörig aufgewärmt, um sie dann bei 'Broken', zusätzlich mit Luftgitarre ausgerüstet, ausgiebig zu verwöhnen. Nun könnte man diese Formel über die gesamte Albumlänge durchziehen und es würde nicht langweilig, denn das Songwriting ist selbst bei diesen einfachen Songs bis ins letzte Breakdetail durchdacht. Aber Innerwish drosseln das Tempo und stampfen mit 'Modern Babylon' und 'Machines of Fear' zwei Hymnen aus dem Boden, bei dem die Faust unweigerlich in die Luft gereckt wird, um dann mit dem nachfolgenden 'Needles in my Mind' gekonnt sogar bis ins Hardrock-Gefilde auszuwandern. Spätestens hier wird klar, welche Vielfalt an Pfeilen sich im Köcher befinden. Und jeder dieser Pfeile trifft ins Schwarze! Seien es simple, von Innerwish ohnehin bereits gewohnten Power Metal-Kracher mit hohem Melodiefaktor wie 'My World on Fire', 'Rain of a Thousand Years' oder 'Sins of the Past', der schleppend-melancholische Reisser 'Through my Eyes', das progressiv angehauchte 'Serenity', die akustische Perle 'Cross the Line' oder der bombastisch-symphonische Abschlusstrack 'Tame the Seven Seas' - geboten wird durchweg hochkarätiges, ja referenzwürdiges Material, welches im Bereich des Melodic Metal seinesgleichen sucht und in dieser Vielfalt und dem darin gebotenen Niveau neue Massstäbe setzen dürfte. Das Geheimrezept liegt einer dezent mediterran-folkloristischen Note zugrunde, welche in Songs wie 'Broken', 'Through my Eyes', 'Needles in my Mind', 'Zero Ground' oder 'Cross the Line' etwas ausgeprägter zur Geltung kommt und Innerwish damit einen eigenwilligen Soundcharakter verleiht.


Um es kurz auf den Punkt zu bringen: exzellent, umwerfend, schlicht meisterhaft! Statt auf Nummer Sicher zu gehen und folglich ein eher formloses Standardwerk mit den bewährten, qualifizierten und beliebten Attributen rauszuhauen, nehmen die Herren ihr Werkzeug selbstbewusst in die Hand und kreieren damit voller Leidenschaft ein regelrechtes, in Stein gemeisseltes Denkmal, welches jeden griechischen Metaller mit Stolz erfüllen und jeden Anhänger von traditionell ausgerichtetem Metal begeistern wird.
Das Jahr ist zwar noch jung, doch jede Scheibe im Bereich des Melodic Metal wird sich im 2016 an diesem Referenzwerk von Innerwish messen müssen.
Standing Ovation!

Punkte: 10 / 10

Credits: Ulterium Records 2016


Donnerstag, 21. Januar 2016

Junge Erben einer glorreichen Ära


[Im WebZine Whiskey-Soda veröffentlicht]


STRIKER

Stand In The Fire

(Metal, Heavy Metal)


Es ist schon interessant, wie jenseits des grossen Teichs die Uhren zwischen Kanada, USA und dem südlichen Teil von Amerika auch musikalisch komplett anders ticken. Während in den USA immer noch grosszügig die Core-Kuh ausgemolken wird, im lateinamerikanischen Teil schon seit Jahren mitunter die symphonische Power Metal-Schiene eingeschlagen wurde, ist Kanada auf einen neuen Trend mit aufgesprungen, der in Deutschland bereits seit Jahrzehnten zwar diskret, aber beständig existiert und in Schweden aus der jungen Hardrock-Welle heraus entstanden ist. Die Rede ist von einer Art "New Wave of Heavy Metal", die Bands mit ihrem unüberhörbaren Hang zu typischen 80's-Klängen in Verbindung bringt und die mittlerweile eine bemerkenswerte Liste von Bands vorzuweisen hat. So hauen Striker wie ihre Landsleute von Skull Fist in dieselbe Kerbe und wollen mit ihrem bereits vierten Longplayer die Welt der 80er aufleben lassen.

Kompromisslos, taufrisch und ohne jeglichen Schickschnack legen die Herren mit 'Phoenix Lights' los und geben damit schon mal den Tarif für das gesamte Album durch. Die Produktion ist ziemlich grell und kantig und man könnte meinen, direkt im Proberaum zu sitzen. Tatsächlich ist dies beabsichtigt und erzeugt damit einen authentischen und live-ähnlichen Sound, was der Band sehr gut zu Gesichte steht. Zudem fühlt man sich augenblicklich in die 80er versetzt, wenn sich sägende Gitarrenriffs mit eingängigen Harmonien und kraftvollen Vocals paaren. Aber Striker sind weitaus mehr als ein billiges 80's-Plagiat oder eine simple Retro-Band. Mit ihrer stürmischen Mischung aus traditionellem Heavy Metal, Hair Metal und sogar einem Schuss Thrash Metal, bringen sie die Wohnzimmerwände zum wackeln und die Konzerthallen zum kochen. Ob es schlussendlich die rabiaten 'Out for Blood', 'Outlaw' oder 'Locked In', oder die hymnenhaften 'Too Late' oder 'United' sind, spielt im Endeffekt keine Rolle - sie alle verfügen über die Klasse, welche perfekt in die glorreiche Ära der 80er gepasst hätte. Ob es dabei auch die Ballade 'One Life' wirklich gebraucht hätte, sei mal stillschweigend dahingestellt.


Ja, die Erbschaft der traditionellen Stahlschmiede geht an die nächste Generation weiter. Trotz aller Vielfalt und Weiterentwicklung im Sektor der härtesten Musik der Welt ist es erfreulich und lobenswert, dass sich vermehrt junge Bands auf ihre Wurzeln besinnen, statt verkrampft das Rad neu erfinden zu wollen. Striker beweisen mit "Stand in the Fire" eindrücklich, wie zeitlos und unprätentiös das Vermächtnis des Hard'n'Heavy der 80er ist. Und solange diese Attitüde vorhanden ist, muss man sich um die Zukunft des Metal keine Sorgen machen. Play it loud!

Punkte: 8.5 / 10

Credits: Eigenproduktion Striker 2016


Dienstag, 22. Dezember 2015

Der Siegeszug der Gepanzerten Heiligen

ARMORED SAINT

Win Hands Down

(Metal, Heavy Metal)


Die Geschichte von Armored Saint aus dem sonnigen Kalifornien ist eine etwas durchzogene und nicht gerade von der Sonnenseite des Lebens gezeichnete Angelegenheit. Von Unstimmigkeiten mit Label und Produzenten auf den ersten drei Alben, über den tragischen Tod an Leukämie von Gitarrist und Hauptsongwriter Dave Prichard und der darauffolgenden temporären Bandauflösung, bis hin zum Stempel der ewig verbannten Undergroundband hat man so ziemlich alles erlebt, was eine Band in der Regel in die Knie zwingt. Tatsächlich gehören die "Gepanzerten Heiligen" mit gerade nur sechs Studioalben seit 1982 nicht gerade zu den produktivsten Rockern. Dafür kann man sagen, dass jedes ihrer Alben hochklassigen Heavy Metal der traditionellen Marke zu bieten hat. Ihr letzter Output "La Raza" aus dem Jahre 2010 schlug zwar eine etwas sperrigere und experimentellere Richtung ein, wuchs aber zunehmend als regelrechte Genreperle, auch wenn mehrheitlich nur unter "Eingeweihten". Eigentlich tragisch, denn Armored Saint werden permanent unter ihrem Wert verkauft. Doch vielleicht gerade deswegen und weil folglich der kommerzielle Erfolg ausgeblieben ist, kriegt man immer 100% Armored Saint - unverfälscht, erdig und authentisch.


Und dies wird sich bei ihrem neusten Streich "Win Hands Down" voraussichtlich nicht ändern. Einmal mehr präsentieren die fünf Saints, was man sich seit jeher von ihnen gewohnt ist: ehrlicher, schnörkellos traditioneller Stahl. Und mit dem eröffnenden Titeltrack wird einem dabei schon mal kräftig in den Hintern getreten, um während den nächsten 51 Minuten klarzustellen, dass selbst Anno 2015 die Gepanzerten Heiligen Meister ihres Fachs sind. Und vielleicht sogar noch mehr als je zuvor. Allein die Produktion ist makellos: glasklar, druckvoll und an den richtigen Ecken und Enden mit der nötigen Kante. Das Songwriting ist in all den Jahren wie guter Wein ausgereift und fängt die Ausflüge in den Classic Rock und die etwas progressivere Ausrichtung auf "La Raza" mit der unbekümmerten Direktheit und Härte der 80er-Werke absolut perfekt ein. So sind 'Mess', 'With a Full Head of Steam', 'That Was Then, Way Back Then' oder das abschliessende 'Up Yours' die gewohnt schlichten Headbanger, welche aber um Breaks und ausgeklügelte Soloteile reicher geworden sind. Doch die wahren Trümpfe spielen Armored Saint mit ihren groovigen, tendenziell im Midtempo gehaltenen Krachern wie 'An Exercise in Debauchery', 'Muslce Memory' oder dem sogar eher progressiven 'In an Instant' aus. Da sind wirklich grossartige Musiker am Werk, die sich blind verstehen und sich nicht einfach auf ein paar tolle Gitarrenriffs beschränken. Neben dem beeindruckenden Gesang von John Bush - der hier jedem jungen Shouter die Hosen auszieht und zum wiederholten Mal unter Beweis stellt, dass er zur absoluten Elite unter den Metal-Sängern gehört - wächst auch die Rhythmussektion um Bassist Joey Vera und Drummer Gonzo Sandoval über sich hinaus.

"Win Hands Down" zeigt alles andere als irgendwelche Abnützungs- oder Alterserscheinungen - im Gegenteil, es strotzt nur so von Frische und Spielfreude. Selbst das bluesig angehauchte, balladeske 'Dive' fällt nicht ab und passt perfekt ins Klangbild eines Referenzalbums, welches in allen Belangen den Bandklassikern das Wasser reichen kann und wirklich nur um Nuancen und der unvergleichlichen Stimmung von "Delirious Nomad" dessen Rang nicht abknöpft. Eine Band, die Anfang ihrer 50 nach einer 5jährigen Pause ein solch unbekümmertes Album 'raushaut, hat nicht nur alles richtig gemacht und damit langjährige Fans und alte Rocker begeistert, sondern sich zudem auch den Beifall der jungen Generation verdient. Grosses Kino!

Punkte: 10 / 10

Credits: Metal Blade Records 2015

Samstag, 5. Dezember 2015

Top 5 - Alben 2015


2015 war musikalisch gesehen ein fettes Jahr mit überzeugendem Material von Szenengrössen wie Toto, Europe, Scorpions oder Def Leppard (um nur einige zu nennen...), aber auch mit grossen Überraschungen aus der Newcomer-Ecke. Dies zeugt grundsätzlich und erfreulicherweise davon, dass die härtere Variante der Rockmusik und der klassische Heavy Metal noch lange nicht ausgedient und immer noch Erfrischendes zu bieten haben. Trotz der vielen tollen Alben habe ich mich auf fünf beschränkt, die sich über das ganze Jahr hinaus gesehen als die absoluten persönlichen Highlights heraus kristallisierten.

5. DIVINER - Fallen Empires



Völlig unerwartet und wie aus dem Nichts flatterte dieses Album als Promo in meine Mailbox. Anfangs etwas skeptisch, überwand ich mich dazu, kurz reinzuhören. Doch das erwartet kurze Antesten verwandelte sich kurzerhand zum süchtig machenden Leckerbissen. Knackig, groovig und trotz der traditionell gehaltenen Soundausrichtung total erfrischend und spielfreudig, habe ich das Werk der Griechen im Nu liebgewonnen. Für mich die Überraschung des Jahres.




4. HOUSE OF LORDS - Indestructible



Als Überreste der glorreichen 80er haben die US-Amerikaner ihren AOR-lastigen Sound ins neue Millennium transportiert und liefern mit "Indestructible" eine ausgewogene Mischung aus rassig-reissendem Hardrock und eindringlich balladeskem Melodic Rock. Getragen durch James Christians Stimme hat sich dieses Album schnell in meinen Gehörgängen verankert und ähnliche Sachen dieser Ecke überboten und hinter sich gelassen.




3. ECLIPSE - Armageddonize



Diese Perle wurde bereits anfang Jahres veröffentlicht und mir war sehr schnell klar, dass im Verlauf des Jahres wirklich grandiose Alben erscheinen müssten, um dieses hier zu toppen. Grandiose und eingängige Melodien, die man am liebsten überall lauthals mitsingen würde - und zumindest im Auto war dies sehr oft der Fall. 11 Songs, 11 Volltreffer. So klingt für mich melodischer Hardrock in Vollendung.






Als Anfang Jahres die grossartige EP "Through the Storm" erschien, setzten die fünf Slowaken damit die Messlatte für den im selben Jahr angekündigten Longplayer enorm hoch an. Doch die Zweifel lösten sich bei einem solchen Album in Luft auf. Akkurat und technisch brillant, erfinden Signum Regis den Power Metal zwar nicht neu, stellen aber die Genre-Kollegen mit ihrem Niveau halt dann schon etwas bloss. Für mich das Newcomer-Album des Jahres. 





Ja, ich gebe es zu, bei diesem Album habe ich geweint - und zwar vor Freude! In Anbetracht des Alters der Helden meiner Jugend habe ich einfach ein gutes Album erwartet und wurde stattdessen zum wiederholten Mal mit einem Knüller überrascht. 92 Minuten Maiden pur wurden 2015 zu meinem persönlichen Soundtrack, der praktisch täglich in singender oder pfeifender Form aus mir herausklang. Unbestreitbare Nummer Eins.



Donnerstag, 22. Oktober 2015

Melodic Metal, Prädikat: Referenzklasse


[Im WebZine Whiskey-Soda veröffentlicht]


SIGNUM REGIS

Chapter IV: The Reckoning

(Metal, Melodic Metal, Power Metal)


Ein zunehmender Trend zeigt, dass die Grundschule des Heavy Metal auch bei jüngeren Bands ihre Spuren hinterlassen hat. Ein allgemeines "Back to the Roots" überstrahlt nicht nur eine mittlerweile mehrjährige, neue schwedische Hardrock-Welle, auch im Metalbereich wagt man sich zunehmend gegen den angesagten Strom der Extreme zu bewegen. So hat sich zum Beispiel das schwedische Label Ulterium Records einer Reihe von Bands angenommen, die im melodischen und eher traditionellen Bereich des Metal angesiedelt sind und unter welchen auch Signum Regis amtieren. Ihr respektabler Backkatalog von drei Alben und einer EP hat in einigen Underground-Magazinen zwar die Runde gemacht, doch zum Szenendurchbruch hat's noch nicht gereicht. Aber dies dürfte sich bald ändern. Denn ehrgeizig und unbeirrt an seiner Soundvision festhaltend, hat Bassist und Mastermind Ronnie König die Band unterdessen auf ein Niveau gebracht, das so manch bekannte Band ihres Genres in Verlegenheit bringen dürfte.

Um die Wartezeit zwischen dem letzten Album "Exodus" (2013) und dem vorliegenden, mittlerweile vierten Longplayer zu verkürzen, gab's diesen Frühling mit der EP "Through the Storm" mehr als bloss einen Überbrückungstrost: Die Slowaken drückten ihrem bereits eigenwilligen, neoklassisch angehauchten Power Metal einen etwas kantigeren Stempel auf und überraschten bei den vier neuen Songs vor allem durch deren Hymnencharakter. "Chapter IV: The Reckoning" führt den eingeschlagenen Weg nahtlos fort und - ja, das kann man bereits vorneweg sagen - setzt dem Ganzen die Krone auf.

Was Signum Regis von unzähligen anderen Melodic / Power Metal-Bands unterscheidet, ist die Tatsache, dass Signum Regis auf jegliche Gimmicks wie getriggerte oder Computergenerierte Drums und übertrieben bombastische und nicht selten kitschige Synthikulissen verzichten und trotz einer sauberen und druckvollen Produktion darum bemüht sind, einen möglichst authentischen und live-ähnlichen Sound zu kreieren. Dass die fünf Slowaken nämlich allesamt hervorragende Musiker sind, konnte man bereits auf den Vorgängeralben heraushören. Auf "Chapter IV: The Reckoning" - wie im Übrigen bereits auf der EP - ist man nun als Band zusammengewachsen und hat damit einen bezeichnenden Qualitätssprung gemacht. Die Kompositionen sind kompakter, die Songs sind allgemein direkter und weniger verspielt und die Hooks sind noch ausgereifter - eigentlich ein Indiz dafür, dass man nicht lediglich Songs fürs Studio schreibt, sondern diese genauso ohne Umschweife auch live vortragen will.


Es mag sein, dass man mit komplexen und vertrackten Songstrukturen kreativ und künstlerisch bei Kritikern das grosse Los zieht, aber es ist ebenso (und vielleicht sogar noch mehr) hohe Kunst, Inspiration, Kreativität und Komplexität auf eine simple und zugängliche Art herunter zu brechen. Signum Regis ist dies auf eindrückliche Weise gelungen. Ihre unbestreitbare musikalische Klasse, sowie ihre unüberhörbare Liebe zur klassischen Musik verschachteln sie in zehn einzelne Songperlen, ohne diese künstlich auszuwalzen. Vom flotten Opener 'Lost and Found' bis hin zum epischen, schleppend-balladesken Abschlusstrack 'Bells are Tolling' lassen Signum Regis nichts aus, was sich der Freund von melodischem Schwermetall wünscht: Egal ob im Mid-Tempo gehalten oder aufs Gaspedal gedrückt - Signum Regis sind jeder Situation gewachsen und bestechen immer wieder durch die abermals messerscharfe und dennoch filigrane und präzise Gitarrenarbeit von Filip Kolus (einfach zum Niederknien, was dieser Mann aus den sechs Saiten herausholt!), der perfekt harmonierenden Rhythmussektion um Drummer Jaro Jancula und Bassist Ronnie König (mit seinem souveränen und für das Genre eher untypisch ausgeprägten Bassspiel steckt er seine Kollegen locker in die Tasche), der gezielten, aber nie aufdringlichen Synthi-Veredelung von Jan Tupy und dem markant-kraftvollen Gesang von Mayo Petranin, der bestens auch ohne Auto-Tune auskommt.

Sei es das hymnenhafte 'The Voice in the Wilderness', der grossartige Mid-Tempo-Reisser 'Kingdom of Heaven', der Nackenbrecher 'Prophet of Doom' oder das energiegeladene und stürmische 'Quitters Never Win' - sie sind nur eine kleine Auswahl der Referenzklasse, welche man auf "Chapter IV: The Reckoning" à discrétion serviert bekommt. Signum Regis ziehen alle Register ihres Könnens, heben einen Querschnitt durch ihr bisheriges Material heraus und veredeln es optimiert und perfektioniert auf den Tonträger - schlicht ein wahres Freudenfest für jeden Heavy / Power Metal-Liebhaber, egal aus welcher Generation.

Ob am Schluss die Rechnung aufgeht und sich Signum Regis in der mittlerweile kaum mehr überschaubaren Release-Flut durchzusetzen vermögen, bleibt natürlich offen. Genauso aber bleibt die Tatsache, dass "Chapter IV: The Reckoning" nicht nur Signum Regis' bisheriges Referenzwerk geworden ist, sondern sich die Höchstwertung uneingeschränkt verdient hat. Definitiv ein heisser Anwärter zum Newcomer-Album des Jahres im Bereich des Melodic Metal!

Punkte: 10 / 10

Credits: Ulterium Records 2015


Samstag, 10. Oktober 2015

Rockin' Hellas!


[Im WebZine Whiskey-Soda veröffentlicht]

DIVINER

Fallen Empires

(Metal, Heavy Metal)


Egal, wie es ökonomisch um Griechenland steht und wie viele bitterböse Witze darüber bereits die Runde gemacht haben, Diviner vertreten mit ihrer Musik ihre Heimat von ihrer glorreichen Seite. Die in 2011 gegründete Band setzt sich zu einem Teil aus Mitgliedern von Innerwish zusammen und wird durch deren langjährige Freunde komplettiert. Die Vision von Diviner bestand von Anfang an darin, einen kraftvollen, intensiven, düsteren und zutiefst heavy inspirierten Sound zu kreieren, der einerseits die Essenz des traditionellen Heavy Metal einfängt und gleichzeitig zeitgenössisch klingt. Und mit "Fallen Empires" debütieren die Griechen unter dem schwedischen Label Ulterium Records und reihen sich dort perfekt in deren Musikagenda ein.

Bereits der knackige und brachiale Sound, der Toningenieur Peter In de Betou (u.a. Arch Enemy, Opeth und Amon Amarth) zu verdanken ist, gibt die Richtung von Anfang an klar an. Mit einem Riffgewitter sondergleichen legen die Herren mit dem Titeltrack los, um dann im folgenden während der gesamten Spielzeit wie ein Panzer alles in Grund und Boden zu walzen. Legendäre Bands wie Judas Priest oder Accept, aber auch modernere Acts wie Iced Earth, Primal Fear oder Brainstorm standen da unüberhörbar Pate. Doch statt ein billiges Plagiat abzuliefern, strotzen die zehn Songs nur so von Frische und Spielfreude, zu keinem Zeitpunkt kommt da Langeweile auf. Zwar klingt einiges auf den ersten Hörgenuss gleichförmig, streckenweise fast etwas monoton und es scheinen irgendwie die Höhepunkte zu fehlen. Das liegt unter anderem auch an der etwas harschen und eher eintönigen - und vielleicht für Einige gewöhnungsbedürftigen - Stimmlage von Yiannis Papanikolaou, der sich allerdings perfekt ins Soundgerüst von Diviner einfügt. Stücke wie 'Kingdom Come', 'Evilizer', 'Seven Gates', 'Come Into My Glory' oder 'Sacred War' verfügen nämlich neben dem soliden Grundtenor absolutes Hitpotenzial und gehören in der Sparte zum Besten seit Jahren.


Es wird immer wieder darüber spekuliert, was wohl sein wird, wenn Bands wie Judas Priest, Accept und Genossen der traditionellen Metallschmiede in Rente gehen werden. Nun, solange Bands wie Diviner nachrücken, wird man sich um die Zukunft des traditionellen Heavy Metal nicht sorgen müssen. Wenn diese ambitionierten Griechen auf ihrem Soundgerüst weiterbauen und zu ihrer Spielfreude und Frische noch etwas mehr an Originalität und Ideenreichtum zulegen, dann könnte da durchaus etwas ganz Grosses auf uns zukommen. Mit "Fallen Empires" haben Diviner jedenfalls schon mal eine beeindruckend-atmosphärische Visitenkarte hinterlegt - Efcharistó!

Fazit: Aufdrehen, Luftgitarre anschliessen, headbangen und geniessen!


Punkte: 9 / 10

Credits: Ulterium Records 2015

Dienstag, 6. Oktober 2015

Hart, aber himmlisch



[Im WebZine Whiskey-Soda veröffentlicht]


STRYPER

Fallen

(Metal, Heavy Metal, Hardrock)


"Wir sind keine christliche Rockband!", liess Sänger und Gitarrist Michael Sweet Anfang Jahres verlauten und stiess damit viele - hauptsächlich Christen - vor den Kopf. Was Sweet damit erklären wollte, war, dass er es absurd findet, eine Band als christlich zu "schubladisieren". Stattdessen habe sich Stryper immer als simple Rockband, einfach halt aus christlichen Mitgliedern bestehend, verstanden. Betrachtet man allerdings die Bandgeschichte, dann war die christliche Etikette von Anfang an Bestandteil ihrer Vermarktung und die christliche Rock- und Metalszene hatte damit ihre Vorzeigeband, die es kommerziell wie keine andere christliche Band an die Spitze brachte. Doch aus konservativen Reihen wurde scharf auf Stryper geschossen, da sich aus deren Perspektive christlicher Glaube und Rockmusik nicht verträgt. Dies wiederum veranlasste die Band dazu, ihr typisch gelb-schwarzes Outfit abzulegen, den Schriftzug zu ändern und mit "Against the Law" ein Album zu veröffentlichen, auf dem man komplett auf die zum Teil überaus plakativen Texte verzichtete.

15 Jahre dauerte es dann, bis man sich mit "Reborn" zurückmeldete. Doch der Versuch, an ihren 80er-Werken anzuknüpfen oder zumindest einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen, erwies sich als Schwerarbeit. Sowohl "Murder By Pride" oder das Coveralbum "The Covering", wie auch das Remakealbum "Second Coming" wurden gnadenlos vom übersättigten Markt erstickt. Erst "No More Hell To Pay" vermochte wieder richtig Fuss zu fassen und wurde mitunter sogar begeistert aufgenommen. Knapp zwei Jahre später kündigen Stryper mit "Fallen" ihr bisher härtestes Werk an. Die Songproben von 'Yahweh' und 'Fallen' bildeten zusammen mit dem ästhetischen Cover-Artwork ein überraschender Appetitanreger. Überraschend, weil Stryper tatsächlich härter, düsterer und vor allem besser als je zuvor klingen!


Mit 'Yahweh' wird das Album zwar im typischen Gospelähnlichen Refrain eröffnet, doch die Gitarrenattacken, sowie die Tempowechsel im Mittelteil erheben Strypers Sound auf eine höhere Ebene. 'Fallen', 'Let There Be Light', 'The Calling' und 'King Of Kings' hauen da in dieselbe Kerbe, halten das Niveau problemlos und zeugen von inspiriertem Songwriting. Sternstunden in Strypers Songkatalog sozusagen, die zum wiederholten Mal Goldkehle Michael Sweet in scheinbar ewiger Jugend und Oz Fox als begnadeter Saitenakrobat offenbaren. Und auch die Stampfer 'Pride' und 'Big Screen Lies' fügen sich nach anfänglicher Blockade mühelos ein, während die etwas gemächlicheren 'Heaven' und 'Love You like I Do' eher an glorreiche alte Tage erinnern. Positiv zu vermerken gibt's auch das Black Sabbath-Cover 'After Forever'; denn irgendwie ist gerade dieses Stück bezeichnend für die Soundausrichtung auf dem gesamten Album, welchem unüberhörbar die unvergleichliche Schwere von Tony Iommis Riffkünste zugrunde liegen. Schwer verdauliche Kost bietet hingegen einerseits 'Till I Get What I Need', welches sich durch sein unpassendes Tempo als Stilbruch erweist. Abschliessend wird mit der Ballade 'All Over Again' der Vogel dann endgültig abgeschossen. Auf einem Countryalbum wäre der Song ja passabel, aber bitte nicht auf einem Metal-Album, meine Herren - geht gar nicht!

Doch alles in allem gibt's auf "Fallen" wirklich wenig Anlass zur Kritik. Das einst gefeierte Aushängeschild des White Metal meldet sich zurück und ragt stolz über den ohnehin schon grossartigen Releases dieses Jahres von Genrekollegen wie Scorpions, Europe oder Iron Maiden mit hinaus. Knüpfte "No More Hell To Pay" an die Glanzzeiten von "Soldiers Under Command" oder "To Hell With The Devil" an, so schlägt man mit "Fallen" zwar einen etwas härteren Kurs ein, aber definitiv auch einen ausgereifteren. Egal, ob Stryper nun eine christliche Band oder schlicht eine Band aus Christen sind - wer klassischen, hervorragend gezockten und stimmigen Heavy Metal mit hymnenhaften Hooks mag, der kommt an "Fallen" definitiv nicht vorbei.

Punkte: 9 / 10

Credits: Frontiers Records 2015