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Donnerstag, 13. August 2015

Riot - unsterblich - Riot V


RIOT

Unleash The Fire


(Metal, Heavy/Power/Speed Metal)


Im Gegensatz zum europäischen Power Metal, der sich spätestens nach den beiden Keeper-Alben von Helloween etabliert hat und heutzutage im modernen Gewand nicht selten am Rand des Kitsch taumelt und damit vor allem die etwas härtere Metallerecke zu Nasenrümpfen und Apathie veranlassen, existiert die etwas kantigere Version aus den Staaten hauptsächlich im Untergrund und konnte kaum das grosse Los ziehen. Bands wie Metal Church, Vicious Rumors, Savatage oder Crimson Glory keimten zwar auch in den 80ern auf, wurden aber durch die deutlich kommerziellere Ausrichtung des europäischen Pendants zunehmend ignoriert und dafür umso mehr zu Kultbands, die aber heute eine regelrechte Renaissance feiern. Eine davon ist Riot. Ihre Werke "Fire Down Under" und vor allem "Thundersteel" werden unter Insidern als zwei der bedeutendsten Power/Speed Metal-Alben gefeiert.

Als Ende 2011 mit "Immortal Soul" Riot abermals nach den Sternen zu greifen schienen und nach 23 Jahren nochmal so richtiges Thundersteel-Feeling aufleben liessen, folgte kurz darauf die Hiobsbotschaft: Mark Reale, Gitarrist, Mitbegründer und Kopf der Band erlag seiner langjährigen Morbus-Crohn-Krankheit. Dennoch beschliesst die Band 2013 unter dem Namen Riot V die Geschichte fortzusetzen.

"Unleash the Fire" ist somit mitunter ein Tributalbum an Mark Reale geworden, dem gerade mal ganze zwei Songs ("Immortal" und "Until we meet again") unmissverständlich gewidmet sind. Aber wie klingt das Album? Kann Riot ohne Mark Reale überhaupt existieren? Das war die grundlegende Frage und die grössten Bedenken unter Fans und Kritikern. Doch was hier aus den Boxen brettert kommt völlig unerwartet und dürfte jeden einzelnen Skeptiker eines Besseren belehren, die Kinnlade mächtig nach unten ziehen und sogar die eine oder andere Freudenträne in die Augen treiben. Ein grosser Verdienst dafür bildet der neue Sänger Todd Michael Hall, der seine Künste bis in die hohen Tonlagen schlicht tadellos meistert und so dem typischen Riot-Sound die perfekte Stimme verleiht. Aber auch strukturell hat man sich nicht einfach generell auf das Referenzalbum "Thundersteel" beschränkt, um es dann krampfhaft zu kopieren versucht; die Atmosphäre des Klassikers aus dem Jahre 1988 ist zwar allgegenwärtig (und dies zum guten Glück und völlig zurecht!), doch Riot machen auch vereinzelt Gebrauch von etwas moderneren Elementen, was gewissen Songs deutlich mehr Groove verleiht und das Album so, trotz mehrheitlich hohem Tempo, sehr abwechslungsreich macht.


Ich mache mir gar nicht erst die Mühe, auf einzelne Songs einzugehen, denn wer das Album erstmal in den Player geschmissen hat und von den ersten Klängen begeistert sein wird, der wird "Unleash the Fire" nicht mehr weglegen wollen. Die Gitarren flitzen wie eh und je, die Hooks gehen sofort ins Ohr und entfalten sich innert Kürze zu Mitsinghymnen und die Rhythmussektion stampft und prügelt sich heroisch durch die herrlich old-schoolische, trockene Produktion. "Unleash the Fire" ist in der Tat ein Vorzeigealbum, welches weder im Schatten von "Thundersteel" steht, noch sich hinter der altbekannten und schon gar nicht aktuellen Konkurrenz zu verstecken braucht. Meiner Meinung nach - mit allem gebührenden Respekt Mark Reale gegenüber - haben sich Riot hier sogar selbst übertroffen und ihr Referenzalbum abgelöst. Ein Hoch auf die Renaissance des Edelstahls der Alten Schule!

Punkte: 10 / 10

Credits: Steamhammer / SPV GmbH 2014

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